An Ardelien.

By Johann Georg Gressel

Sinnen die sich selbst nicht kennen

Sind

Dir zu zeigen Feur und Brennen

Das in meinem Hertzen glüht

So dein feurig Augen-Strahl

Halb zur Freude und zur Quaal

Hat darinnen angezündet

Daß es nichts als Flammen findet.

Aber! ach wo ist mein Hertze?

Ist es noch in meiner Brust?

Nein! ich fühle daß mein Schmertze

Deutlich zeiget den Verlust.

Du hast es mein Licht bey dir

Und die Schaalen sind nur mir

Bloß zum Leben überblieben

Da der Kern dir ist verschrieben.

Wer nun so wie ich muß leben

Der brennt stirbt und lebt zugleich

In Verwirrung muß er schweben

An Vergnügen arm und reich

An dem Schmertzen der ihn plagt

Und die heissen Sinnen nagt.

Er kan keine Stunde zählen

Die nicht dreut ein neues Quählen.

Deiner Freundlichkeiten-Sterne

Der beliebten Augen-Licht

Treiben meine Freyheit ferne

Die gar nicht darwider ficht;

Sie wil gern in Banden stehn

Und mich einen Sclaven sehn.

Solcher angenehmen Augen

Die zum Brand und Löschen taugen.

Schöne da mein Hertz nun deine

Und in deinen Brüsten ist

Werd ich fast zum kalten Steine

Wo mich nicht dein Auge grüßt

Und durch einem sanfften Blick

Bringet meinen Geist zurück

Der in deinem Hertzen wohnet

Und der Brüste Pracht bethronet.

Schencke mir mein Hertze wieder

Aber deines mit dabey

Gönn daß meinen Augen-Lieder

Deine Brust ein Polster sey:

Lege Feur zu Holtz und Stroh

Mach mein traurges Hertze froh;

Liebe da ich dich verehre

Und mein Feur mit Flammen mehre.

Deiner Augen Heyl

Mir ein neues Hertz zufügt

Und ich halte Lust-

Wenn auf deiner Brust es liegt.

Wenn

Scheinet mit beliebtem Licht

So vergeht den Hertzens-Mauren

Jhr verdüstert Liebes-Trauren.

Drum mein Engel kenn die Flam̃en

Die dein Auge mir erregt;

Und weil sie von dir herstammen

Bleibe nicht stets unbewegt;

Liebe weil man lieben kan

Beut den Flammen Nahrung an

Die dich ihren Ursprung nennen

Und ohn dich nicht brennen können.