An Calisten

By Johann von Besser

Written 1691-01-01 - 1691-01-01

Ich kan mir nicht mehr widerstreben;

Die schönheit flößt mir das gelüsten ein.

Im Paradieß kan keiner leben

Und ohne fall und fehl-tritt seyn.

Dein Edens-platz mein kind Caliste

Zieht meine hand

Auff deinen kreyß der rundten brüste

Und meinen leib in dein gelobtes land.

Der lentz pflegt uns in herbst zu leiten;

Das jahr läst uns nach blumen früchte sehn:

laß mich doch auch nach deinen zeiten

In deinen anmuths-garten gehn.

Mein frühling ist ein kuß gewesen

Laß aus der schooß

Mich endlich reiffe früchte lesen

Wie in dem stand der unschuld nackt und bloß.

Du kanst den leib mir nicht verschliessen

Von welchem du mir schon das hertz entdeckt.

Laß unsern geist zusammen fliessen

Weil doch kein kuß ihm selber schmeckt.

Vergrabe mich in helffenbeine

Voll fleisch und blut;

Denn werd ich gleich darinn zum steine

So weiß ich doch daß es mir sanffte thut.

Eröffne mir das thor zum lande

Wo zucker rinnt und wollust tafel hält;

Laß meinen kahn am engen strande

In deine neu-erfundne welt.

Du darffst dich nicht Caliste schämen;

Das feigen-blat

Das Eva für sich muste nehmen

Zeigt und verdeckt nicht unsre lagerstatt.

Bestraffe mich mit keinem tadel

Daß deinen schooß mein hertze lieb gewinnt;

Denn der magnet forscht mit der nadel

Biß er den mittel-punct ergründt.

Ein schäfgen weidt in thal und auen

Wo schatten ist;

Mein hertze will das deine schauen;

Drum such ich es da wo du offen bist.