An Callisten, als sie ihm ein sauer gesichte machte. * * B.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ich bin als wie ein schiffer-nachen,

An den der sturm die wilden fluthen schmeißt.

Der liebe macht bemeiftert meinen geist,

Und will mich ihr zum sclaven machen.

Ich schiff’ in einer see,

Die wollust und begierd aufschwellen;

Was wunder, wenn ich in den wellen,

Eh ichs vermein’, in tausend drümmer geh.

Die klugheit läßt das ruder fallen,

Mein ancker sinckt, mein mast zersplittert sich,

Des himmels grimm geht eintzig über mich,

Ich höre seine donner knallen.

Jm hertzen trag ich tag;

Von aussen seh ich schwartze nächte.

Ach! daß Calliste doch gedächte,

Daß tag und nacht sich nicht verschwistern mag.

Verzeih, wo ich zu unbescheiden!

Dein antlitz ists, so diese nacht gebiehrt.

Wer sonnen in den augen führt,

Muß keinen nebel um sich leiden.

Verschleuß dich länger nicht!

Gesetzt, daß ich vor dich nicht tauge,

Lehnt doch des adlers stumpffes auge

Selbst seine krafft vom grossen sonnen-licht.

Wiewohl, ich wünsche keine sonne.

Soll meine fahrt bey trüb- und tunckler nacht

Durch deinen schluß, Calliste! seyn vollbracht,

So gönne mir zum minsten diese wonne:

Daß beiner brüste schein,

Die wie zwey stern’ auf deinen anmuths-höhen

Bald in die höh, bald wieder abwarts gehen,

Mir mein compaß, mein leitstern möge seyn!