An Climenen. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein urtheil ist: ich soll verbrennen

Und doch darff ich die glut nicht nennen

Die meinen geist verzehrt.

Die sinnen sind verkehrt

Noch gleichwohl muß ich schweigen.

Mein hertz soll stahl und eisen seyn;

Wer aber hat doch fleisch und bein

Dem blut und regung nicht auch in die seele steigen?

Climene du kanst meine flammen

Fürwahr mit rechte nicht verdammen:

Denn dein verliebter blitz

Hemmt selber meinen witz

Und wilst du mehr noch wissen?

Dein heisser strahl hat mich entzündt

Mein feu’r ist deiner sonnen kind

Wie soll ich ärmster denn nicht seine mutter küssen?

Ach! leugne nicht was du verübet

Ich bin ein mensch und drum verliebet;

Laß engel engel seyn

Sie fühlen keine pein;

Wir aber haben glieder

Und sind aus fleisch und blut erbaut

Wem vor des leibes blösse graut

Der bring uns Adams stand und Evens unschuld wieder.

Du stehest selbst ich bin getrieben

Der himmel will ich soll dich lieben:

Denn mein entbrandter schmertz

Leidt ferner keinen schertz

Dein blick hat mich entzündet

Ich brenne nur dieweil ich muß

So zeige nun durch einen kuß

Daß man zwar dort den todt hier aber leben findet.