An das sich gleich-gültigstellende Frauen- Zimmer.

By Johann Georg Gressel

Jhr Schönen zündet ihr kein Liebes-Feur mehr an

Und muß die holde Gluht in euch vergebens brennen?

Wo sind die Flammen die euch

Und wolt ihr keinen Blick den Manns-Persohnen gönnen?

Mein! sagt ist das kein Feur das in der Aschen glimmt

Und ist das keine Gluht was in den Augen stecket

Wie! daß es denn so bald den freyhen Geist einnimmt

Und in der harten Brust ein Liebes-Feur erwecket?

Wer glaubte daß noch Feur in

Wenn nicht der Rauch und Dampff den innern Brand

bewiesen

Eur rohtes Angesicht verbirget nicht so sehr

Als ihr die schöne Gluht doch wirds von euch gepriesen.

Wenn ein beliebter Blick aus euren Augen geht

Das ist als wenn ein Blitz durch dicke Wolcken fähret

Jemehr der Wind und Lufft dem Wetter widersteht

Jemehr man dessen Krafft und Donner-Schläge höret.

Was euer Hertz gedenckt das zeigt das Auge an

Sie sind wißt ihrs doch wol Verrähter eurer Seelen

Ein Spiegel holder Gunst der Liebe Renne-Bahn

Wo selbst durch Blick und Strahl die Hertzen sich vermählen.

Jhr werffet Donner zwar und Blitz auf den herzu

Der eure Wangen will und auch die Lippen küssen

Schalckhaffte ists nicht wahr empfindet ihr eh Ruh

Bis daß man eurem Mund die Küsse lassen wissen?

Der muß verworffen seyn bis in das dunckle Grab

Wer nach den Lippen will und nach den Brüsten lächtzen

Und der wird gar verdammt der da bricht Früchte ab

Doch sieht man insgeheim euch nach den Männern ächtzen.

Euch scheint ein süsser Kuß ein Uberdrus zu seyn

Doch wolt ihr daß man ihn euch auf die Lippen leget

Wenn man euch küßt so tränckt man euch mit

Und euer Hertze wird zu süsser Lust beweget.

Jhr gebt zum Schau-Gericht die milchern Brüste hin

Die Seuffzer müssen sie hoch in die Höhe schwellen

Jhr liebt und wollet doch der

Es ist euch gar kein Ernst eur Weigern und Verstellen.

Wenn ihr die Brust beschaut wie da Corallen glühn

So muß der Wollust-Wind sie in die Höhe prallen

Jhr wolt man soll daraus den Liebes-Zunder ziehn

Und küssend behten an die schönen Liebes-Ballen.

Wenn gleich ein zartes Tuch die weisse Brust bedeckt

So scheinen doch herdurch derselben Anmuhts-Rosen

Jhr habt sie nur zum Schein und nicht im Ernst versteckt

Sie gibt sich bald hervor wenn man sie lieb will kosen.

Jhr stellt euch ernsthafft an und seyd so nicht gesinnt

Jhr wolt man soll den Griff nur ungebehten wagen

Ists nicht so daß man euch denn am geneigsten find

Wenn ihr die dreiste Hand gedenckt hinweg zu schlagen?

Jhr lacht wenn ihr erschröckt ein ehrerbietigs Hertz

Und freut euch wenn es seuffzt daß ihr den Kuß verwehret

Der aber ist beliebt der weiß daß es nur Schertz

Und der im minsten sich an eur Verstellen kehret.

Ja darum laßt ihr offt euch halb entblösset sehn

Daß man betrachten soll die angenehmen Schätze;

Greifft man euch tapffer an so ist es leicht geschehn

Daß ihr euch selber fangt in eure eigne Netze.

Es wird gar bald erweicht was euch so spröde macht;

Acht man nicht wenn ihr sprecht: man soll sich etwas schämen

So hat mans ohne Müh bey euch dahin gebracht

Daß ihr euch gerne mögt zu aller Lust bequehmen.

Jhr stelt euch nur so hart als wie ein Kieselstein

Da doch ein sanfftes Wort eur hartes Hertz bald zwinget;

Wer diese Kunst nicht weiß der leidet Höllen-Pein

Weil denn durch euer Hertz kein starcker Seuffzer dringet;

Wenn er wie

Und sich wie

In einen Hund verkehrt; ihr ihn doch nicht befreyt

Er muß wie

Doch o schalckhaffte Art! eur Hertze ist ein Feur

Das eurem gantzen Leib mit heisser Glut entzündet;

Eur Stellen machet euch auf kurtze Zeiten theur

Bis man den rechten Ort zu der Erlangung findet.

In euren Brüsten liegt des

Und aus den Augen bricht der Uberfluß der Flammen

Es brennet überall eur starck verhitztes Blut

Jhr lobt die süsse Brunst die ihr doch wolt verdammen.

Der würde gottloß seyn der eure glatte Schooß

Die ihr vor heilig schätzt mit freyer Hand berührte;

Und wehrt daß

Und ihn damit zur Grufft der schwartzen Höllen führte.

Jhr stellt euch wilder an als wie die Furien

Wenn man beküssen will der Wollust Ruhe Plätze

Denn muß man euch ergrimmt wie Löw und Tyger sehn

Wenn man zu nahe kömmt an eure Wunder Schätze.

Die Wolcken schlagen so mit Blitz und Feur nicht her

Als wenn ihr Zorn und Grimm aus eurem Munde speyet

Wer euch einst küssen will dem hilfft kein Bitten mehr

Wer in der Schooß will ruhn dem wird der Tod gedreuet.

Es scheint man könte eh das blaue Sternen-Dach

Als euren schlancken Leib Argstlistige umfangen.

Je mehr man sich bemüht je wenger gebt ihr nach

Jhr wolt mit Sprödigkeit als einem Schmucke prangen.

Doch Männer fürcht euch nicht vor dieser strengen That

Wenn schon ihr Paradies der Liebe sich verschlossen

Wenn man euch gar verdammt und gantz verworffen hat

So seyd ihr drum doch nicht aus ihrer Gunst verstossen.

Sie schliessen willig auf so Lippen Mund und Brust

Der Wollust Schlaff-Gemach wo man in Rosen-Gründen

Der Liebe Honig-Seim und Zucker süsser Lust

Kan ohne Weigerung in der Umarmung finden.

Drum quählen sie euch gleich durch

Ists daß ihr keine Gunst von ihrem Stoltz geniesset

Erweckt ihr harter Zorn Beschwerung Angst und Pein

Daß euch der Lebens-Geist wie weiches Wachs zerfliesset.

So dencket daß ihr Hertz euch in Gedancken küßt

Sie werden eh ihrs meynt verändert und verkehret

Jhr Hertz so Demant scheint im Augenblick zerfließt

Nur nehmet dis zur Lehr; Sie wollen seyn geehret.