An das sich gleich-gültigstellende Frauen- Zimmer.
Jhr Schönen zündet ihr kein Liebes-Feur mehr an
Und muß die holde Gluht in euch vergebens brennen?
Wo sind die Flammen die euch
Und wolt ihr keinen Blick den Manns-Persohnen gönnen?
Mein! sagt ist das kein Feur das in der Aschen glimmt
Und ist das keine Gluht was in den Augen stecket
Wie! daß es denn so bald den freyhen Geist einnimmt
Und in der harten Brust ein Liebes-Feur erwecket?
Wer glaubte daß noch Feur in
Wenn nicht der Rauch und Dampff den innern Brand
bewiesen
Eur rohtes Angesicht verbirget nicht so sehr
Als ihr die schöne Gluht doch wirds von euch gepriesen.
Wenn ein beliebter Blick aus euren Augen geht
Das ist als wenn ein Blitz durch dicke Wolcken fähret
Jemehr der Wind und Lufft dem Wetter widersteht
Jemehr man dessen Krafft und Donner-Schläge höret.
Was euer Hertz gedenckt das zeigt das Auge an
Sie sind wißt ihrs doch wol Verrähter eurer Seelen
Ein Spiegel holder Gunst der Liebe Renne-Bahn
Wo selbst durch Blick und Strahl die Hertzen sich vermählen.
Jhr werffet Donner zwar und Blitz auf den herzu
Der eure Wangen will und auch die Lippen küssen
Schalckhaffte ists nicht wahr empfindet ihr eh Ruh
Bis daß man eurem Mund die Küsse lassen wissen?
Der muß verworffen seyn bis in das dunckle Grab
Wer nach den Lippen will und nach den Brüsten lächtzen
Und der wird gar verdammt der da bricht Früchte ab
Doch sieht man insgeheim euch nach den Männern ächtzen.
Euch scheint ein süsser Kuß ein Uberdrus zu seyn
Doch wolt ihr daß man ihn euch auf die Lippen leget
Wenn man euch küßt so tränckt man euch mit
Und euer Hertze wird zu süsser Lust beweget.
Jhr gebt zum Schau-Gericht die milchern Brüste hin
Die Seuffzer müssen sie hoch in die Höhe schwellen
Jhr liebt und wollet doch der
Es ist euch gar kein Ernst eur Weigern und Verstellen.
Wenn ihr die Brust beschaut wie da Corallen glühn
So muß der Wollust-Wind sie in die Höhe prallen
Jhr wolt man soll daraus den Liebes-Zunder ziehn
Und küssend behten an die schönen Liebes-Ballen.
Wenn gleich ein zartes Tuch die weisse Brust bedeckt
So scheinen doch herdurch derselben Anmuhts-Rosen
Jhr habt sie nur zum Schein und nicht im Ernst versteckt
Sie gibt sich bald hervor wenn man sie lieb will kosen.
Jhr stellt euch ernsthafft an und seyd so nicht gesinnt
Jhr wolt man soll den Griff nur ungebehten wagen
Ists nicht so daß man euch denn am geneigsten find
Wenn ihr die dreiste Hand gedenckt hinweg zu schlagen?
Jhr lacht wenn ihr erschröckt ein ehrerbietigs Hertz
Und freut euch wenn es seuffzt daß ihr den Kuß verwehret
Der aber ist beliebt der weiß daß es nur Schertz
Und der im minsten sich an eur Verstellen kehret.
Ja darum laßt ihr offt euch halb entblösset sehn
Daß man betrachten soll die angenehmen Schätze;
Greifft man euch tapffer an so ist es leicht geschehn
Daß ihr euch selber fangt in eure eigne Netze.
Es wird gar bald erweicht was euch so spröde macht;
Acht man nicht wenn ihr sprecht: man soll sich etwas schämen
So hat mans ohne Müh bey euch dahin gebracht
Daß ihr euch gerne mögt zu aller Lust bequehmen.
Jhr stelt euch nur so hart als wie ein Kieselstein
Da doch ein sanfftes Wort eur hartes Hertz bald zwinget;
Wer diese Kunst nicht weiß der leidet Höllen-Pein
Weil denn durch euer Hertz kein starcker Seuffzer dringet;
Wenn er wie
Und sich wie
In einen Hund verkehrt; ihr ihn doch nicht befreyt
Er muß wie
Doch o schalckhaffte Art! eur Hertze ist ein Feur
Das eurem gantzen Leib mit heisser Glut entzündet;
Eur Stellen machet euch auf kurtze Zeiten theur
Bis man den rechten Ort zu der Erlangung findet.
In euren Brüsten liegt des
Und aus den Augen bricht der Uberfluß der Flammen
Es brennet überall eur starck verhitztes Blut
Jhr lobt die süsse Brunst die ihr doch wolt verdammen.
Der würde gottloß seyn der eure glatte Schooß
Die ihr vor heilig schätzt mit freyer Hand berührte;
Und wehrt daß
Und ihn damit zur Grufft der schwartzen Höllen führte.
Jhr stellt euch wilder an als wie die Furien
Wenn man beküssen will der Wollust Ruhe Plätze
Denn muß man euch ergrimmt wie Löw und Tyger sehn
Wenn man zu nahe kömmt an eure Wunder Schätze.
Die Wolcken schlagen so mit Blitz und Feur nicht her
Als wenn ihr Zorn und Grimm aus eurem Munde speyet
Wer euch einst küssen will dem hilfft kein Bitten mehr
Wer in der Schooß will ruhn dem wird der Tod gedreuet.
Es scheint man könte eh das blaue Sternen-Dach
Als euren schlancken Leib Argstlistige umfangen.
Je mehr man sich bemüht je wenger gebt ihr nach
Jhr wolt mit Sprödigkeit als einem Schmucke prangen.
Doch Männer fürcht euch nicht vor dieser strengen That
Wenn schon ihr Paradies der Liebe sich verschlossen
Wenn man euch gar verdammt und gantz verworffen hat
So seyd ihr drum doch nicht aus ihrer Gunst verstossen.
Sie schliessen willig auf so Lippen Mund und Brust
Der Wollust Schlaff-Gemach wo man in Rosen-Gründen
Der Liebe Honig-Seim und Zucker süsser Lust
Kan ohne Weigerung in der Umarmung finden.
Drum quählen sie euch gleich durch
Ists daß ihr keine Gunst von ihrem Stoltz geniesset
Erweckt ihr harter Zorn Beschwerung Angst und Pein
Daß euch der Lebens-Geist wie weiches Wachs zerfliesset.
So dencket daß ihr Hertz euch in Gedancken küßt
Sie werden eh ihrs meynt verändert und verkehret
Jhr Hertz so Demant scheint im Augenblick zerfließt
Nur nehmet dis zur Lehr; Sie wollen seyn geehret.