An das veraltete Frauen-Zimmer.

By Johann Georg Gressel

Darf ich an eure Noht ihr lieben Kinder dencken?

Wie ihr eur Ungelück mit Thränen offt beklagt

So muß sich mein Gemüth zu tieffer Wehmuth leucken

Die Pflicht und Schuldigkeit den Frauens nichts versagt.

Ach könnt ihr Männer kriegen!

Nach eurem Wunsch und Sinn

Ich gönn euch das Vergnügen

Wenn ich es nur nicht bin.

Die Jahre lauffen fort die Zeiten werden schlimmer

Der Freyers gibt es viel der Nehmer aber nicht

Verfluchtes Ungemach vor altes Frauen-Zimmer

Dem aus Verzweiffelung fast aller Trost gebricht.

Man schaut sie nur von ferne

Als einen Jrwisch an.

Sie sind wie kleine Sterne

Die man kaum sehen kan.

Zum öfftern sagt ihr zwar ihr seyd von achtzehn Jahren

Da über dreyßig man euch an der Stirnen zählt

Ach dieses hilfft euch nicht es sind verlegne Waaren

Was hilfft ein schönes Kleid? wenn es am Ansehn fählt.

Was jetzt die Leute kauffen

Das muß was frisches seyn

Wer steht doch jemand lauffen

Nach halb verrauchten Wein?

Die Schönheit will nicht mehr auf euren Wangen scheinen

Der Frühling eurer Zeit ist leider gantz vorbey

Der Tod sitzt in der Schooß das Alter in den Beinen

Ach daß ein Jubel-Jahr vor euch zu hoffen sey!

Drum seyd ihr überladen

Mit Senffzern für und für

Und sprecht: Vor unsern Schaden

Ist gar kein Pflaster hier.

So gehts wenn man zu sehr auf seine Jugend bauet

So gehts wenn man so offt im Freyen hat gewählt

Ein Schütze der ihm stets zu treffen zugetrauet

Hat endlich doch zuletzt der Scheiben wol verfählt.

Jhr strebt nach hohen Dingen

Jhr wolt zu hoch hinan

Und fallt mit hohen Sprüngen

Merckt wie man stürtzen kan.

Seyd ihr noch jung und schön auch artig von Gebehrden

So wolt ihr daß man euch verehret überall

Als Kronen unser Zeit als Engel dieser Erden

Der Hoffarth ist allzeit der Bothe für dem Fall;

Die Rosen sind vergangen

Der Sommer ist vorbey

Jetzt zeigen eure Wangen

Daß da der Winter sey.

Was rath in solcher Noht? erwählt das Kloster-Leben

Und bringt die letzte Zeit mit Bibel-lesen hin

So wird man euch ein Lob als frommen Schwestern geben

Die das was fleischlich heist verworffen aus dem Sinn.

Und können eure Lieder

Kein Halleluja seyn

So stellt davor sich wieder

Ein

Jhr aber die ihr noch in euren jungen Jahren

Euch rath’ ich als ein Freund gebt etwas bessern Kauff

Soll euch nicht gleiches Glück wie jenen wiederfahren

So zieht wenn einer kommt gelinder Sayten auf.

Gedenckt jetzt sind die Zeiten

Davon man sagen kan

Es werden sieben streiten

Um einen eintzgen Mann.