An das veraltete Frauen-Zimmer.
Darf ich an eure Noht ihr lieben Kinder dencken?
Wie ihr eur Ungelück mit Thränen offt beklagt
So muß sich mein Gemüth zu tieffer Wehmuth leucken
Die Pflicht und Schuldigkeit den Frauens nichts versagt.
Ach könnt ihr Männer kriegen!
Nach eurem Wunsch und Sinn
Ich gönn euch das Vergnügen
Wenn ich es nur nicht bin.
Die Jahre lauffen fort die Zeiten werden schlimmer
Der Freyers gibt es viel der Nehmer aber nicht
Verfluchtes Ungemach vor altes Frauen-Zimmer
Dem aus Verzweiffelung fast aller Trost gebricht.
Man schaut sie nur von ferne
Als einen Jrwisch an.
Sie sind wie kleine Sterne
Die man kaum sehen kan.
Zum öfftern sagt ihr zwar ihr seyd von achtzehn Jahren
Da über dreyßig man euch an der Stirnen zählt
Ach dieses hilfft euch nicht es sind verlegne Waaren
Was hilfft ein schönes Kleid? wenn es am Ansehn fählt.
Was jetzt die Leute kauffen
Das muß was frisches seyn
Wer steht doch jemand lauffen
Nach halb verrauchten Wein?
Die Schönheit will nicht mehr auf euren Wangen scheinen
Der Frühling eurer Zeit ist leider gantz vorbey
Der Tod sitzt in der Schooß das Alter in den Beinen
Ach daß ein Jubel-Jahr vor euch zu hoffen sey!
Drum seyd ihr überladen
Mit Senffzern für und für
Und sprecht: Vor unsern Schaden
Ist gar kein Pflaster hier.
So gehts wenn man zu sehr auf seine Jugend bauet
So gehts wenn man so offt im Freyen hat gewählt
Ein Schütze der ihm stets zu treffen zugetrauet
Hat endlich doch zuletzt der Scheiben wol verfählt.
Jhr strebt nach hohen Dingen
Jhr wolt zu hoch hinan
Und fallt mit hohen Sprüngen
Merckt wie man stürtzen kan.
Seyd ihr noch jung und schön auch artig von Gebehrden
So wolt ihr daß man euch verehret überall
Als Kronen unser Zeit als Engel dieser Erden
Der Hoffarth ist allzeit der Bothe für dem Fall;
Die Rosen sind vergangen
Der Sommer ist vorbey
Jetzt zeigen eure Wangen
Daß da der Winter sey.
Was rath in solcher Noht? erwählt das Kloster-Leben
Und bringt die letzte Zeit mit Bibel-lesen hin
So wird man euch ein Lob als frommen Schwestern geben
Die das was fleischlich heist verworffen aus dem Sinn.
Und können eure Lieder
Kein Halleluja seyn
So stellt davor sich wieder
Ein
Jhr aber die ihr noch in euren jungen Jahren
Euch rath’ ich als ein Freund gebt etwas bessern Kauff
Soll euch nicht gleiches Glück wie jenen wiederfahren
So zieht wenn einer kommt gelinder Sayten auf.
Gedenckt jetzt sind die Zeiten
Davon man sagen kan
Es werden sieben streiten
Um einen eintzgen Mann.