An den Asinius.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ich habe vielmahl schon im hertzen nachgedacht

Was doch die kluge welt auff diese thorheit bracht

Daß da die schulen noch voll rechter leute leben

Sie dir Asinius den doctor-hut gegeben.

Du bist kein weiser nicht: denn sonsten thätest du

Diß andern was du wilst daß man dir selber thu:

Du würdest deine frau nicht wie der teuffel plagen

Und wie ein lumpenhund dich mit den mägden schlagen.

Du bist kein weltmann nicht; dieweil du nicht verstehst

Warum du deiner frau zur lincken seiten gehst:

Das heist: du solst dein weib nicht treiben sondern führen

Und sie mit höfligkeit nicht mit gewalt regieren.

Du bist kein medicus sonst nehmstu in der pein

Ein treibendes clistir vor deine würmer ein

So hastu auch nicht viel in GOttes wort vergessen

Sonst würdestu dein thun nach dem gewissen messen.

Du bist auch kein jurist denn wer das recht erklärt

Der weiß wohl daß das weib nicht einen mann ernehrt

Und daß wenn eine frau im hause soll befehlen

Man ihr die krüge nicht muß aus der kammer stehlen.

Was teuffel bistu denn? Ein narr der nichts gelernt

Ein flegel der nur drischt was andre eingeerndt.

Und gleichwol bistu doch ein grosser doctor worden?

O mein Asinius man kommt nicht in den orden

Wo man bey dieser zeit nicht künste mit sich bringt

Und wenn die kunst gebricht von grosser zahlung singt.

Wie geht es dann nun zu? das geld hat dich erhoben

Das geld das dir wie koth offt in der hand verstoben:

Das deines vaters fleiß mit grosser müh gehegt

Und du schon eh er starb mit schanden angelegt.

Drum fiengstu nach der zeit dich endlich anzugrämen

Und dachst ich muß mir nur ein liebes weibgen nehmen

Die weil ich armer schelm in büchern nichts gethan

Und alles geld verzehrt mich noch erhalten kan.

Das glücke war dir hold du wurdest angenommen

Dein tittel hat ein weib nicht aber du bekommen:

Nun hastu was du wilst du lebst wie dirs gefällt

Die frau ernehret dich ihr vater schafft dir geld;

Die braten müssen dir fast in die gurgel fliegen

Du kanst den gantzen tag im bette schnarchen liegen

Und hast kein trübsal als daß diese die dich fretzt

Sich täglich wen du speist mit dir zu tische setzt.

Das aber ärgert dich: Dann du bist wie die raben

Du schaffst nichts in das hauß doch wilstu fressen haben.

Und was ein ander schafft daß soll für dich allein

Und nicht als wenn du wilst für deinen nechsten seyn.

Die frau soll wenn sie dir den rachen voll läst schütten

Dich dennoch schöner wirth um ieden groschen bitten

Und sagen: Lieber mann ich weiß wohl daß das geld

Dir aus der taschen nicht wie pregel-erbsen fällt:

Ich weiß daß du es schwer und sauer must erwerben;

Allein erbarme dich laß meine strümpffe färben

Und schicke meine schuh doch zu dem schuster hin

So seh ich daß ich noch dein liebes weibgen bin.

O grober eselskopff! ist das nicht zubeklagen

Daß ein so schönes weib muß deine narrheit tragen.

Du bist mehr katz und aff als einem menschen gleich

Die lippen hengen dir die wangen werden bleich

Das kinn ist zugespitzt gleich wie die bauer hütte

Die nase kommt mir vor wie eine kramer-tütte

In welche man ein pfund rosinen schütten kan:

Dein gang ist abgeschmackt und iedes wort zeigt an

Daß du ein garstig thier in deinem busen trägest:

Und dannoch brummestu wenn du dich schlaffen legest;

Du brummest wenn du wachst; du brummest wenn du stehst;

Du brummest wenn du frist; du brummest wenn du gehst;

Und suchest deiner frau stets tadel auszusetzen

Die dennoch alle welt nur dich nicht kan ergetzen;

Und die von hinten zu weit schöner läst und scheint

Als du wenn du dich gleich zu zieren hast gemeynt

Und in dem garten gehst mit deinem degen stutzen.

Ach schade daß dir nicht der tod den bart soll putzen!

Ach schade daß dein weib so treu und ehrlich ist

Und daß du armer schelm nicht längst ein hahnrey bist

Wie artig würde dir doch das geweihe stehen?

Jedoch was laß ich dich hier deine thorheit sehen?

Du bleibest wer du bist und unsers nachbars hund

Wird seinen rüssel eh in einen jungfer-mund

Und sein gekraußtes haar in seid’ und gold verkehren

Eh dein erstarrter kopff wird seinen wurm verzehren.

Was aber habt ihr doch ihr Musen nur gedacht

Als ihr ein solches thier zum doctor habt gemacht

Ach hört doch einmahl auff der erden vorzulügen;

Sonst wird kein ehrlich kerl ein schönes weib mehr kriegen.