An den edlen Pfingst-Wind/ Gott den heiligen Geist

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Komm linder West laß deinen Athem spüren

Die Sulamith verlangt und seuffzt nach dir

Ihr Garten will Geruch und Schmuck verlieren

Drum finde dich mit Hold und Trost zu ihr.

Der strenge Nord bestürmet ihre Sinnen

Das Hertze wird als ein gefrornes Eiß

Die Hoffnung will nicht Blütt und Stock gewinnen

Die Andacht starrt die keine Flamme weiß.

Ein dürrer Ost entzieht die welcken Kräffte

Sein Blasen hemmt den frischen Perlen-Thau

Der trockne Staub verzehret Marck und Säffte

Manch Tugend-Blat erstirbt auff matter Au:

Offt muß sie auch den heissen Süd empfinden

Wenn Creutzes-Brand in Blutt und Adern wallt

Bey Mittags-Glutt will aller Schatten schwinden

Und sie verliert Mutt Anmutt und Gestalt.

Komm linder West laß deinen Athem spüren

Daß Sulamith die schwache wird ergözt

Ihr Garten wird viel neue Früchte führen

Wenn ihn durch dich ein Gnaden-Regen nezt.

Dein sanffter Hauch dein angenehmes Wehen

Besämet ihn mit Gott-beliebter Frucht

Das wilde Land wird sich verbessert sehen

Durch deinen Geist und Trieb anheimgesucht.

Komm linder West laß deinen Athem spielen

Daß sich bey uns der Glaub' an Gott entzünd.

Komm reiner Geist laß deine Regung fühlen

Daß sich die Brust von Liebe heiß befind.

O werther Gast zeuch ein mit deinem Worte

Komm finde dich mit deinen Gaben ein

Wir öffnen dir mit Lust des Hertzens Pforte

Und Seel und Geist soll deine Wohnung seyn.