An den General Fabian Ferson als er Ao. 1675 mit erster schiffarth nach Stockhol...
Wenn welt-berühmter held ein knecht sich darff erkühnen
Nach aller möglichkeit dich heute zu bedienen
So hab ich diß zu thun vor andern gutes recht;
Denn ich erkenne mich für deinen schlechten knecht.
Ich lege mich hiermit zu deinen füssen nieder
Und überreiche dir die unvollkommne lieder
Mit welchen ich in eil den frohen tag beehrt
An welchem du gesund bey uns bist eingekehrt.
Wir dancken GOtt dafür ob schon die lieben deinen
Die du zurücke liest umb dich noch traurig scheinen
Fürnehmlich weil ihr feind in voller rüstung steht
Und wie berichtet wird an ihre gräntzen geht.
Man sagt die Dün’ als sie dein abseyn hätt vernommen
Sey in der wilden see sehr weit dir nachgeschwommen
Und weil sie dich nicht fand hat sie die nun betagt
Jhr schilfficht haupt beraufft und dich sehr hoch beklagt.
Es rieff dir sehnlich nach ihr gantzes hoffgesinde
Vor allen andern doch die junge Dünamünde
Die ihre tochter ist rieff immer diese wort:
Ach vater! ziehst du weg? ach vater! ziehst du fort?
O ach! und lässest mich in händen meiner neider?
Indem sie dieses sprach zerriß sie ihre kleider
Wie ihre mutter that; seit dieses ist geschehn
Hat man sie beyde bloß und nackend gehn gesehn.
Wie schmertzlich sie nun dort dein abseyn ietzt bereuen
So hertzlich können wir uns deiner ankunfft freuen;
Der alte Mehler selbst wie mir wird fürgebracht
Hat unter seinem eiß heut über laut gelacht.
Es ströhmte neben ihm die liebliche Syrene
Durch ihre silberfluth ein jauchzendes gethöne
So daß ihr heller schall den fluth-crystall durchbrach:
Die klippen sprachen ihm mit schweren lippen nach
Und sperrten klüffte auff; der hall fiel in die grüffte
Und Echo rieff ihm nach in weite breite lüffte
Die lüffte drehten sich durch städte feld und wald:
So ist dem ankunfft nun im gantzen land erschallt.
Die meiste welche sich nebst mir derselben freuen
Begunten überall zu jauchzen und zu schreyen
So lange biß der Löw in dieser mitternacht
Von ihrem freuden-schall aus seinem schlaff erwacht.
Der hochgeehrtste Löw so seine güldne klauen
Anietzt zum ersten mahl den feinden giebt zu schauen
Und gleich in schrancken springt erfreuete sich sehr
Als er die post vernahm: daß Ferson kommen wär.
Sein prächtiges Stockholm nach dem es dich empfangen
Sprach: dieses ist der mann nach dem ich trug verlangen
Sey sehr willkommen hier du kühner krieges-held
Dem selbst der wilde Mars verzagt zu süssen fällt.
Weil dir denn iederman rieff glück und heyl entgegen
Beschloß ich meine pflicht in reimen abzulegen
Und brach in höchster eil wie unser Phöbus weiß
Held! dir zu ehren ab diß dürre lorbeer-reiß.
Ich hatte neulich zwar mir gäntzlich fürgenommen
Gantz nicht ja nimmermehr auff Aons höh zu kommen
Nur darum weil man hier die tichterey verlacht
Weil sie hans liederlich zum bettel-stabe macht.
Ich wär auch gantz gewiß bey diesem vorsatz blieben
Und hätte diese kunst nicht wiederum getrieben
Wo nicht mein freyer sinn der unersättlich geitzt
Nach grosser herren gunst mich hierzu angereitzt.
Diß aber reitzt mich mehr: Ich weiß daß du vordessen
Auf Pöons Helicon hast oben an gesessen
Und daß du tichter wohl zu unterscheiden weist
Von bettlern welche lang auf ihre kunst gereist.
Die gehen mich nichts an auch nicht die meister-sänger
Die lange sylben kurtz und kurtze sylben länger
Als sich gebühret ziehn nachdem das höltzgen ist
Womit ihr aberwitz die armen reime mist.
Wer nach der elen reimt den muß man tichter nennen
Ob am gedichte gleich nichts tüchtigs zu erkennen
Er ist er heist und bleibt ein künstlicher poet
Warum? weil P. L. C. nach seinem nahmen steht.
Diß sey und bleib er auch biß andre ihn vertreiben
Und ihn zu Nürenberg in pritschen-orden schreiben.
Ich habe meines theils auf aff- und hasen-jagt
Noch keinen hund gehetzt auch keinen schluß gewagt.
Für diese schnöde lust bemüh ich mich zu melden
Von grosser tapfferkeit berühmter krieges-helden
Wie der und jener sich durch seine feinde drung
Und sich durch schwerd un spieß un dampf zun wolcke schwung.
Zwar ich bin nicht gesinnt vor dieses mahl zu sagen
Was Ferson deine faust vor ruhm davon getragen
Als du mit selbiger Gradivum selbst bekämpfft
Sein blutig schwerd geraubt und ihn damit gedämpfft.
Wer diß verrichten soll muß Buchners hohe gaben
Muß Gryphens hohen geist und donner-worte haben
Er muß beredet seyn als unser Opitz ist
Der erste teutsche schwan und rüstig seyn als Rist
Er muß entzündet seyn von Flemmings himmels-flammen
Wer nicht von jugend an der dreymal-dreyen ammen
Gelehrte brust gesaugt darff sich nicht unterstehn
Dich sternen gleichen held noch höher zu erhöhn.
Drum will ich deinen ruhm viel lieber hier verschweigen
Und mich mit worten nicht wie Phaeton versteigen
Der weil er überschritt sein vorgestecktes ziel
Schnell über hals und kopff vom himmel runter fiel.
Woferne dieser reim der dir zun füssen lieget
Dein auge schauen kan so bin ich schon vergnüget;
Wenn aber finsterniß ihm solt im lichte stehn
So wird die sonne mir heut blutig untergehn.
Damit nun dieser tag befreyet sey vom leide
So gönn auch mir ein theil von deiner ankunffts-freude
Und nim ich weiß du kanst dich deines dieners an
Sonst ist es um mein glück und wolfarth gantz gethan.
Ich bitte dich durch dich durch deine tapffre ahnen
Durch deinen helden-muth durch deine sieges-fahnen
Durch dein vergöttert lob das sich durch belt und feld
Und welt geschwungen hat biß an der sternen zelt.
Laß meine hoffnung nicht vor dißmahl mich betrügen
Hilff mir durch deinen sieg mein unglück übersiegen
So soll der frohe tag an dem du eingekehrt
Benebenst dir von mir seyn ewig hochgeehrt.