An den Herrn geheimden Rath Stryk uber die Vermählung des Hn. Hoff-Rath Stryken ...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Die Musen, die Vergnügt und mit Ergebenheit
Auf ihren großen Stryk ihr Geist auf seine Schrifften
Ihr Hertz gen Himmel sieht und da den Weyrauch streut
Daß Gott ein ewig Hauß den Seinen möge stifften
Betrachteten den Stand in dem sein theurer Sohn
Viel kluge Kinder zeugt doch keine Leibes Erben
Und klagten: Trägt der Preiß Gelehrter diß davon
Zu leben nur in uns und selbst in sich zu sterben!
Wenn Solon, Balduin, wenn Paulus, Ulpian,
Noch mehr wenn unser Stryk in Büchern gleich gebauet
Was die gelehrte Welt nie satt erlernen kan
Die auch im Tod auf Ihn als ihr Oracul schauet:
So sind wir doch betrübt wenn sein Gedächtniß nicht
Die Seele welche nur wird ihres gleichen zeugen
Vermittelst durch den Sohn in weitre Zweige bricht
Und Stryken aus der Krafft der Stryken wieder steigen.
Die Tugend welche zwar den Musen anverwandt
Doch immer auf den Geist der ewig lebet siehet
Allein des Leibes-Lust der Liebe süssen Brand
Als ein gefährlich Meer entflammter Seelen fliehet
Verwarf der Musen Wunsch und sprach: kein Mensch erweißt
Daß Stryk nicht fort gepflantzt. Wer vor Glückseligkeiten
Damit der große Mann euch und die Nachwelt speißt
Statt danckens sich beklagt hat Tugend nicht zur Seiten.
Was wolt ihr mehr von Ihm? mehr Erben sprechet ihr;
Und derer sind so viel als würdig ihn gehöret.
Stellt seine Bücher euch als lauter Kinder für
Die einst die Nachwelt noch vor ihre Väter ehret.
Daß durch die Barbarey daß durch der Feinde Wuht
Nach der Verheerung auch Athen in uns noch lebet;
Daß Griechen-Land nach Mord und viel vergoßnem Blut
Noch als ein freyer Marckt der Künste vor uns schwebet;
Machts daß ein Solon hat auf Leibes-Frucht gezielt?
Daß Plato, Socrates auf Kinder sich beflissen?
Mit denen hätt' ihr Feind wie mit der Stadt gespielt
Und ihre Väter auch in Staub und Tod gerissen.
So aber leben sie durch ihres Geistes Krafft;
In Büchern die umsonst die Barbarey bestritten.
Wer glaubet daß ein Weib die Ewigkeit verschafft
Der hat den rechten Sporn der Tugend nicht gelitten.
In Schrifften lebt mein Stryk und in dem theuren Sohn.
Sein theurer Sohn durch ihn und in gelehrten Leuten.
Wenn die die Zeit begräbt so wird man Phœbus Thron
So wird man selbst der Welt ein Grabmahl zubereiten.
Herr Hoffrath Stryck vernahm den Streit von bey den wohl.
Sein Eyfer brand in Ihm den Büchern obzuliegen.
Mit seinem Nahmen gieng sein Hertz zum Sternen Pol
Nichts aber schien Ihn mehr auf Erden zu vergnügen.
Darum so siel er auch der strengen Tugend bey
Und suchte zwar durch sich des Vaters Aehnlichkeiten
So wie die Trauben dort des Zeuxis Mahlerey
Doch nicht durch eine Frau lebhafftig auszubreiten.
Die Pallas, Gratien und Amor suchten Ihn
Auf aller Musen Wunsch von diesem Schluß zu lencken.
Er nahm sie willig auf nur Amor muste fliehn
Ihr bitten war umsonst ihr einen Blick zu schencken.
Wenn sieng der Pallas Mund nebst ihren Schwestern an
Ein Hochberühmter Sohn des Vaters Ehren Wagen
In unverdroßnen Fleiß biß zu der Sternen-Bahn
Durch Tyger-schnellen Lauf will folgen und erjagen
So deucht uns es besteht nicht die Unsterblichkeit
In dem daß vor der Zeit ich dieser Welt absterbe;
Zu treiben allzusehr was mir den Geist zerstreut;
Hingegen nicht zu thun wodurch ich Krafft erwerbe.
Das ist Hochwehrter Stryk du liebst die Ruhe nicht
Die auf die Arbeits-Last kan Stärckungs Balsam geben
Die der gelehrten Welt so viele Krafft verspricht
So viel ein schwacher kriegt von wahren Nectar-Reben.
Wer ohne Wissenschafft zwar immer müßig ist
Hat sich und seinen Ruhm schon lebend eingegraben;
Doch wen die Arbeit offt die Ruhe selten grüßt
Bey dem will Leib und Geist bald ein Begräbniß haben.
Viermahl verändert sich in einem Jahr die Zeit;
Und ein Gelehrter muß im Sommer seiner Strahlen
Zuweilen sein Gemüth in reiner Freudigkeit
Wie Flora ihren Lentz mit frischen Blumen mahlen.
Will der nun eingesperrt und eingekerckert seyn
Der gleichwohl sich zum Ruhm so weit gereißt gewesen?
Weiß zur Veränderung mein Stryk denn gantz allein
In Teutschland keinen Ort der trefflich auszulesen?
Hierauf schlug Pallas Ihm das große Hamburg vor;
Das auch der theure Mann vor andern hat erwehlet.
Doch Amor gieng voraus: es rief der Musen-Chor:
Ach daß Ihn wiederum der Liebe Macht beseelet!
Ja gab die Liebe drauf es wird des Himmels-Hand
Durch mich die keusche Glut der Reinsten Ihr empfinden
Der ersten Menschen Trieb des Paradieses Brand
In kurtzen wiederum in seiner Brust entzünden.
Nach Hamburg geht mein Stryk und da ist schon erkiest
Was sein Gemüthe wird wie seine Sinnen rühren
Und wenn sein Augenstrahl nun solches in sich schließt
Der reinen Liebe Werth Ihm dann zu Hertzen führen.
Die Uffelmannin ist mehr Tugendhafft als schön
Und schön als ob Sie nur an Schönheit hoch zu schätzen.
Durch diese soll sein Geist bald überzeugt gestehn:
Daß holde Frauen auch Gelehrter Krafft ersetzen;
Daß ehe man die Burg der Ewigkeit ersteigt
Uns frische Geister offt am Wege stärcken müssen;
Und mancher Weise sich so störrisch nicht erzeigt
Wenn manchmahl sein Geblüt sich können so versüssen;
Daß wenn man durch den Kiel gleich fortgepflantzet wird
Ein süsser Trost doch sey wenn wir durch edle Frauen
Der Seelen Wanderung wovon Pythagor irrt
In ächten Kindern auch zugleich behauptet schauen.
Da nun Herr Hoffrath Stryk die Hammons-Burg er blickt
Hat Amor in Gestalt der Uffelmannin Augen
Ihm seinen Geist gerührt sein Hertze so entzückt
Als ob Er bloß aus Ihr sein Leben müsse saugen.
Die Tugend die sich erst der Liebe wiedersetzt
Rief: Unvergleichliche dir gönn' ich das Vergnügen.
Bestricke meinen Stryk; wer saget wohl zuletzt:
Ob Schönheit oder ich in dir am meisten siegen?
Die Ehe welche nur der Sternen Rath beschließt
Durch deren Schluß diß Paar einander ist gewogen
Durch die in ihr Gemüth ein gleiches Wollen fließt
Ward in erwünschtem Glück und höchster Lust vollzogen.
In aller Musen Brust entstund ein Jubel-Fest
Der Himmel wünschten sie schenck Euch so vielen Seegen
Euch letze trefflichs Paar so offt ein Anmuths-West
Als Seufzer sich in uns vor unsre Stryken regen;
Du großer Stryk vor dich Gott möge lange Zeit
Dir Krafft zu unserm Heil dem Sohn die Gnad erzeigen
Daß sich dein Saame noch so vieler Erben freut
Als kluge Kinder dir aus deiner Stirne steigen.