An den Herrn von Tschirnhaus über den dreyfachen todes-fall seiner Frauen Gemahl...
So offt ich bey mir selbst die schwere post bedencke
Die der betrübte Job auff einen tag erhielt;
So offt erstarren mir puls adern und gelencke
Und ich empfinde fast mehr als er selbst gefuhlt.
Ein mann ein frommer mann dem GOtt das zeugniß giebet
Daß er sein lebenlang was schlecht und recht gethan;
Der böses stets gehaßt und gutes stets geliebet
Ward ohne seine schuld der ärmste bettelmann.
Was sag ich bettelmann? Ein vater ohne kinder
Ein land-herr ohne vieh ein hauswirth ohne knecht;
Denn eine stunde nahm ihm söhne knecht und rinder
In einer stunde war lust ehr und gut geschwächt.
Und dennoch ließ er sich das wetter nicht erschüttern
Und stund als wie ein fels den keine flucht bewegt
Als wie ein eichen-baum den wenn die fichten zittern
Doch weder wind noch sturm im walde niederschlägt.
Gott sprach er hat es mir gegeben und genommen
Des HErren name sey gelobet und gepreist.
O unerschrockner Job! wer ist dir gleich gekommen?
Wer ist der so viel hertz bey solchen schmertzen weißt?
Du bist es o du licht und krone der gelehrten
Mein Tschirnhauß dessen ruhm biß an die wolcken steigt
Die schläge die dem Job die süsse lust verstörten
Sind heute noch einmahl der welt in dir gezeigt.
Denn einer kommt und sagt daß deine liebste stirbet
Ein weib daß niemahls dich mit willen hat betrübt
Und auch im grabe noch das theure lob erwirbet
Daß sie mehr ihren mann als ihren schmuck geliebt.
Weil dieser annoch spricht so kommt die post geflogen
Es sey auch allbereit um deinen sohn geschehn
Um deinen liebsten sohn den du so aufferzogen
Daß du dich so in ihm wie er in dir gesehn.
Ja weil auch dieser noch das wort im munde führet
So meldt der dritte schon die herbe zeitung an
Daß dir die todte frau ein todtes kind gebiehret
Dem weder du noch sie die pflegung reichen kan.
Wen schrecket nicht der plitz von dreyen ungewittern?
Welch schiffer weiß ihm wohl beym dritten sturme rath?
Von dreyen minen muß der größte thurm zersplittern.
Was soll ein mensch nicht thun der fleisch und adern hat?
Wer was die liebe sey durch lieben selbst erfahren
Wird wissen wie ihr bruch durch marck und hertze bricht;
Denn menschen können sich zwar leicht zusammen paaren
Das scheiden aber steht in ihren kräfften nicht.
Man liebt ein treues weib offt höher als man glaubet
Und fühlt vor freuden nicht die flamme so uns brennt;
Doch wenn der blasse tod uns ihr gesichte raubet
So sieht man allererst daß man die liebe kennt.
Denn will man haus und hoff und alle güter geben
Man bietet selber sich vor sie zum opffer an
Und wünscht sie möchte nur noch eine stunde leben
Ob würde die uns thun was nicht ein jahr gethan.
Was man um frauen fühlt geschiehet auch an kindern
Auff die man seinen trost und alle hoffnung setzt;
Man siehet lieber sich als ihre zahl vermindern
Und weinet daß man sie nicht aber uns verletzt.
Was aber thut man nicht wann uns die kinder sterben
Bevor sie die geburt zu rechten menschen macht?
Denn alles was wir sehn vor seiner zeit verderben
Ist mehrentheils von uns am meisten groß geacht.
Wir hoffen was wir sonst kaum würden hoffen können
Drum kan auch in der welt kein härter stoß geschehn
Als wenn die eltern sich von kindern müssen trennen
Die sie als kinder doch niemahlen angesehn.
Diß ein’ ist schon genug uns dreymahl zu begraben;
Wie aber soll sich nicht ein armer vater mühn
Den alle drey mein Herr wie dich betroffen haben
Von dem auff einen tag kind sohn und liebste ziehn.
Jedoch dein fester geist trotzt alle qvaal und schmertzen
Du küssest mit gedult die ruthe die dich schlägt
Und nimmst den grossen fall zwar wie ein mensch zu hertzen
Doch nur als einen dorn der endlich rosen trägt.
Was hast du anders nun als Hiobs glück zu hoffen?
Ihm brachte GOttes hand den segen doppelt ein:
So steht dir auch bereits der himmel wieder offen
Wo deine thränen nur nicht deine mörder seyn.