An den Herrn von Tschirnhaus über den dreyfachen todes-fall seiner Frauen Gemahl...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

So offt ich bey mir selbst die schwere post bedencke

Die der betrübte Job auff einen tag erhielt;

So offt erstarren mir puls adern und gelencke

Und ich empfinde fast mehr als er selbst gefuhlt.

Ein mann ein frommer mann dem GOtt das zeugniß giebet

Daß er sein lebenlang was schlecht und recht gethan;

Der böses stets gehaßt und gutes stets geliebet

Ward ohne seine schuld der ärmste bettelmann.

Was sag ich bettelmann? Ein vater ohne kinder

Ein land-herr ohne vieh ein hauswirth ohne knecht;

Denn eine stunde nahm ihm söhne knecht und rinder

In einer stunde war lust ehr und gut geschwächt.

Und dennoch ließ er sich das wetter nicht erschüttern

Und stund als wie ein fels den keine flucht bewegt

Als wie ein eichen-baum den wenn die fichten zittern

Doch weder wind noch sturm im walde niederschlägt.

Gott sprach er hat es mir gegeben und genommen

Des HErren name sey gelobet und gepreist.

O unerschrockner Job! wer ist dir gleich gekommen?

Wer ist der so viel hertz bey solchen schmertzen weißt?

Du bist es o du licht und krone der gelehrten

Mein Tschirnhauß dessen ruhm biß an die wolcken steigt

Die schläge die dem Job die süsse lust verstörten

Sind heute noch einmahl der welt in dir gezeigt.

Denn einer kommt und sagt daß deine liebste stirbet

Ein weib daß niemahls dich mit willen hat betrübt

Und auch im grabe noch das theure lob erwirbet

Daß sie mehr ihren mann als ihren schmuck geliebt.

Weil dieser annoch spricht so kommt die post geflogen

Es sey auch allbereit um deinen sohn geschehn

Um deinen liebsten sohn den du so aufferzogen

Daß du dich so in ihm wie er in dir gesehn.

Ja weil auch dieser noch das wort im munde führet

So meldt der dritte schon die herbe zeitung an

Daß dir die todte frau ein todtes kind gebiehret

Dem weder du noch sie die pflegung reichen kan.

Wen schrecket nicht der plitz von dreyen ungewittern?

Welch schiffer weiß ihm wohl beym dritten sturme rath?

Von dreyen minen muß der größte thurm zersplittern.

Was soll ein mensch nicht thun der fleisch und adern hat?

Wer was die liebe sey durch lieben selbst erfahren

Wird wissen wie ihr bruch durch marck und hertze bricht;

Denn menschen können sich zwar leicht zusammen paaren

Das scheiden aber steht in ihren kräfften nicht.

Man liebt ein treues weib offt höher als man glaubet

Und fühlt vor freuden nicht die flamme so uns brennt;

Doch wenn der blasse tod uns ihr gesichte raubet

So sieht man allererst daß man die liebe kennt.

Denn will man haus und hoff und alle güter geben

Man bietet selber sich vor sie zum opffer an

Und wünscht sie möchte nur noch eine stunde leben

Ob würde die uns thun was nicht ein jahr gethan.

Was man um frauen fühlt geschiehet auch an kindern

Auff die man seinen trost und alle hoffnung setzt;

Man siehet lieber sich als ihre zahl vermindern

Und weinet daß man sie nicht aber uns verletzt.

Was aber thut man nicht wann uns die kinder sterben

Bevor sie die geburt zu rechten menschen macht?

Denn alles was wir sehn vor seiner zeit verderben

Ist mehrentheils von uns am meisten groß geacht.

Wir hoffen was wir sonst kaum würden hoffen können

Drum kan auch in der welt kein härter stoß geschehn

Als wenn die eltern sich von kindern müssen trennen

Die sie als kinder doch niemahlen angesehn.

Diß ein’ ist schon genug uns dreymahl zu begraben;

Wie aber soll sich nicht ein armer vater mühn

Den alle drey mein Herr wie dich betroffen haben

Von dem auff einen tag kind sohn und liebste ziehn.

Jedoch dein fester geist trotzt alle qvaal und schmertzen

Du küssest mit gedult die ruthe die dich schlägt

Und nimmst den grossen fall zwar wie ein mensch zu hertzen

Doch nur als einen dorn der endlich rosen trägt.

Was hast du anders nun als Hiobs glück zu hoffen?

Ihm brachte GOttes hand den segen doppelt ein:

So steht dir auch bereits der himmel wieder offen

Wo deine thränen nur nicht deine mörder seyn.