An den Hn. Gärtner von Gärtenberg zu Stockholm zugeschrieben. E. C. S.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Verzeih mir Mecänat wenn diese schlechte zeilen

Zu unbequemer zeit zu deinen füssen eilen

Wenn meiner feder mund nicht redet nach gebühr

So bitt’ ich stoß mich nicht von deiner garten-thür.

Weil ich die gärtner-kunst von jugend an geliebet

Und mich nach mögligkeit in selbiger geübet

Hat selbst Apollo mir aus sonderbarer gunst

Mit eigner hand gelehrt ein theil von selber kunst.

Er führte mich mit sich in einen schönen garten;

Weil ich nun willig war den blumen auffzuwarten

Hab ich mit stetem fleiß es letzt dahin gebracht

Daß er mich über sie zum gärtner hat gemacht.

Der garten welchen zwar sonst niemand noch geschauet

Als nur der dichter schaar war ziemlich ungebauet

Zur rechten stund ein wald zur lincken Floren zelt

Hier ein erhöhter berg dort grün durchkleetes feld.

Es gienge Castalis mit perlen-weissen füssen

Jm garten hin und her die blumen zu begiessen

Bey meinem garten-hauß an einer schönen stell

Entsprunge Hippocren die hell und schnelle quell

Mit murmeindem geräusch und führte gold im sande

Es stunden rosen-püsch an ihrem grünen strande

In selber wohnete der helle wiederschall

Mit dem besprachte sich die laute nachtigal.

Der garten wie gedacht war überall geschmücket

Mit schönen blumen hier mit kräutern dort gesticket

Mein’ augen haben stets was sie begehrt geschaut

Nur keine müntze nicht und tausend-gülden kraut.

Mein Phöbus hatte sich auf beyde nicht beflissen

Auch nicht auf löffel-kraut und nichtige narcissen

Weil sie so flüchtig seyn. Zu selber schönen zeit

Wust ich von keiner angst von keinem hertzen-leid.

Ich sah’ den ehren preiß in seiner ehre sitzen

Die hohe sonnen-blum als eine sonne blitzen

Die kecke lilje stund in ihrer gelben glut

Die raut in graß-schmaragd die ros’ in milch und blut.

Ich sah den nelcken-stock sein purpur-kleid empfangen

Mein schönes tausend-schön vor tausend blumen prangen

Und meinte daß mein hertz das damahls war im meer

Voll unerschöpffter lust nicht zu betrüben wär.

Nun aber hat die zeit mit der sich alles endet

Mich aller lust beraubt mir alle freud’ entwendet;

O Solon! du hast recht so lange Titan tagt!

O Solon! du hast wahr und mehr als wahr gesagt.

Indem du niemand nicht vor glücklich hast erkennet

Eh seine seele ab- vom leibe sich getrennet

O Solon! du hast recht. Als ich im garten saß

Und vor der blumen zier fast meiner selbst vergaß

Erhub sich unverhofft ein unaussprechlich brausen

Der wüttrich Boreas hub grausam an zu sausen

Der sturm nahm schrecklich zu es ruderte die see

Aus ihren syrten raus zum himmel in die höh.

Die weite breite lufft ward überall bezogen

Mit dicker finsterniß und trüben wasser-wogen;

Die wolcken rollten fort ihr rauher donner-knall

Erschütterte die lufft es zitterte der ball

Der erden selbst vor furcht; es rasselten die wälder

Und prasselten vom sturm der meine blumen-felder

Mit schlossen regen blitz und schrecken überfiel;

So wurde mir verrückt mein vorgesetztes ziel.

Mein garten ist verheert die blumen sind verschneyet

Von lufft aus mitternacht die meisten abgemeyet.

Mein grünes wintergrün hat seinen todt gesehn

Und meinem tausendschön ist eben so geschehn.

Der kirschbaum als der sturm so wüterisch gehandelt

Hat seine grüne frucht in rothes blut verwandelt

Die rose hat aus schmertz ihr auge zugedrückt

Und thränen raus geprest als sie den frost erblickt

Er fiel in seinem grimm auff meinen länger-lieber

Und überschüttet ihn mit seinem todten fieber:

Ein eintzig blümchen nur kam ihm nicht zu gesicht;

Diß gärtner schenck ich dir es heißt: vergiß mein nicht.

Woferne sich dein knecht zu bitten darff erkühnen

So bitt ich wann es möcht in deinen garten dienen

Vergönn’ ihm einen ort; wird es nicht untergehn

So soll es ewiglich zu deinen diensten stehn.

Mein poley ist verwelckt der hyacinth verschwunden

Die roßmarin verschwartzt; wo vormahls veilgen stunden

Schießt bittrer wermuth auf; für grünen majoran

Dringt blaue sorge vor und strenger wiederthan.

Nun leb’ ich gar in furcht es werd’ ein sturm aus norden

Mir meinen lorbeer-wald noch jämmerlich ermorden

Weil sich der mörder schon um ast und gipffel schwingt

Und mit der blätter zier um leib und leben ringt.

Giebt mir der Höchste nicht wornach mein hertze strebet

So hat mein ehren-preiß die sterbligkeit erlebet

Auch mein vergiß mein nicht nimt diß erst seinen tod

So liegt mein höchstes glück in seiner letzten noth.

Diß kraut vergiß mein nicht trägt dir dein knecht entgegen

Und gleich itzt will er es zu deinen füssen legen:

Zum zeichen daß er dir zu dienen willig ist

Biß mein vergiß mein nicht letzt seiner selbst vergißt.

Hilff! denn du kanst es thun dein arm ist unverkürtzet

Hilff diesem der sein glück in abgrund hat gestürtzet

Erwege diese wort und reiche dem die hand

Der nichts beständigs hat als glückes-unbestand.