An den Hn. Gärtner von Gärtenberg zu Stockholm zugeschrieben. E. C. S.
Verzeih mir Mecänat wenn diese schlechte zeilen
Zu unbequemer zeit zu deinen füssen eilen
Wenn meiner feder mund nicht redet nach gebühr
So bitt’ ich stoß mich nicht von deiner garten-thür.
Weil ich die gärtner-kunst von jugend an geliebet
Und mich nach mögligkeit in selbiger geübet
Hat selbst Apollo mir aus sonderbarer gunst
Mit eigner hand gelehrt ein theil von selber kunst.
Er führte mich mit sich in einen schönen garten;
Weil ich nun willig war den blumen auffzuwarten
Hab ich mit stetem fleiß es letzt dahin gebracht
Daß er mich über sie zum gärtner hat gemacht.
Der garten welchen zwar sonst niemand noch geschauet
Als nur der dichter schaar war ziemlich ungebauet
Zur rechten stund ein wald zur lincken Floren zelt
Hier ein erhöhter berg dort grün durchkleetes feld.
Es gienge Castalis mit perlen-weissen füssen
Jm garten hin und her die blumen zu begiessen
Bey meinem garten-hauß an einer schönen stell
Entsprunge Hippocren die hell und schnelle quell
Mit murmeindem geräusch und führte gold im sande
Es stunden rosen-püsch an ihrem grünen strande
In selber wohnete der helle wiederschall
Mit dem besprachte sich die laute nachtigal.
Der garten wie gedacht war überall geschmücket
Mit schönen blumen hier mit kräutern dort gesticket
Mein’ augen haben stets was sie begehrt geschaut
Nur keine müntze nicht und tausend-gülden kraut.
Mein Phöbus hatte sich auf beyde nicht beflissen
Auch nicht auf löffel-kraut und nichtige narcissen
Weil sie so flüchtig seyn. Zu selber schönen zeit
Wust ich von keiner angst von keinem hertzen-leid.
Ich sah’ den ehren preiß in seiner ehre sitzen
Die hohe sonnen-blum als eine sonne blitzen
Die kecke lilje stund in ihrer gelben glut
Die raut in graß-schmaragd die ros’ in milch und blut.
Ich sah den nelcken-stock sein purpur-kleid empfangen
Mein schönes tausend-schön vor tausend blumen prangen
Und meinte daß mein hertz das damahls war im meer
Voll unerschöpffter lust nicht zu betrüben wär.
Nun aber hat die zeit mit der sich alles endet
Mich aller lust beraubt mir alle freud’ entwendet;
O Solon! du hast recht so lange Titan tagt!
O Solon! du hast wahr und mehr als wahr gesagt.
Indem du niemand nicht vor glücklich hast erkennet
Eh seine seele ab- vom leibe sich getrennet
O Solon! du hast recht. Als ich im garten saß
Und vor der blumen zier fast meiner selbst vergaß
Erhub sich unverhofft ein unaussprechlich brausen
Der wüttrich Boreas hub grausam an zu sausen
Der sturm nahm schrecklich zu es ruderte die see
Aus ihren syrten raus zum himmel in die höh.
Die weite breite lufft ward überall bezogen
Mit dicker finsterniß und trüben wasser-wogen;
Die wolcken rollten fort ihr rauher donner-knall
Erschütterte die lufft es zitterte der ball
Der erden selbst vor furcht; es rasselten die wälder
Und prasselten vom sturm der meine blumen-felder
Mit schlossen regen blitz und schrecken überfiel;
So wurde mir verrückt mein vorgesetztes ziel.
Mein garten ist verheert die blumen sind verschneyet
Von lufft aus mitternacht die meisten abgemeyet.
Mein grünes wintergrün hat seinen todt gesehn
Und meinem tausendschön ist eben so geschehn.
Der kirschbaum als der sturm so wüterisch gehandelt
Hat seine grüne frucht in rothes blut verwandelt
Die rose hat aus schmertz ihr auge zugedrückt
Und thränen raus geprest als sie den frost erblickt
Er fiel in seinem grimm auff meinen länger-lieber
Und überschüttet ihn mit seinem todten fieber:
Ein eintzig blümchen nur kam ihm nicht zu gesicht;
Diß gärtner schenck ich dir es heißt: vergiß mein nicht.
Woferne sich dein knecht zu bitten darff erkühnen
So bitt ich wann es möcht in deinen garten dienen
Vergönn’ ihm einen ort; wird es nicht untergehn
So soll es ewiglich zu deinen diensten stehn.
Mein poley ist verwelckt der hyacinth verschwunden
Die roßmarin verschwartzt; wo vormahls veilgen stunden
Schießt bittrer wermuth auf; für grünen majoran
Dringt blaue sorge vor und strenger wiederthan.
Nun leb’ ich gar in furcht es werd’ ein sturm aus norden
Mir meinen lorbeer-wald noch jämmerlich ermorden
Weil sich der mörder schon um ast und gipffel schwingt
Und mit der blätter zier um leib und leben ringt.
Giebt mir der Höchste nicht wornach mein hertze strebet
So hat mein ehren-preiß die sterbligkeit erlebet
Auch mein vergiß mein nicht nimt diß erst seinen tod
So liegt mein höchstes glück in seiner letzten noth.
Diß kraut vergiß mein nicht trägt dir dein knecht entgegen
Und gleich itzt will er es zu deinen füssen legen:
Zum zeichen daß er dir zu dienen willig ist
Biß mein vergiß mein nicht letzt seiner selbst vergißt.
Hilff! denn du kanst es thun dein arm ist unverkürtzet
Hilff diesem der sein glück in abgrund hat gestürtzet
Erwege diese wort und reiche dem die hand
Der nichts beständigs hat als glückes-unbestand.