An den Leser und ZuhörerAn den Gutwilligen frommen Leser und Warheit liebenden Z...
Written 1617-01-01 - 1617-01-01
Gottes gnad und barmhertzigkeit
Durch Iesum Christum uns bereit
Woll stets über uns walten
In seiner warheit schirm und schutz
Wieder all unser feinde trotz
Leib Seel und Geist erhalten.
Diß bitt fur alle frommen ich
Will ihnen auch hiemit freundlich
Mein Büchlein offeriren,
Einfältige Warheit genant
Gottes Geist öffne den verstandt
Christlich zu judiciren.
Der fromme Leser nehm in acht
Les' unbelacht und wol betracht
Was ich hier hab geschrieben
Folg' meiner Lehr geb' Gott die Ehr
Vnd seh`sich in der welt umbher
Wird Er die warheit lieben
So wird Er sie hie finden klar
Die ihm wird zeigen offenbar
Daß heut in diesen zeiten
Sehr mechtig ist der Antichrist,
Durch seiner Weltgelärten list
Die leute zuverleiten
Der schlechte Pöbel sonderlich
(Daruber Gott erbarme sich)
Wie man in Dörffern spühret
Wird durch derselben thun und Lehr
Vom Liecht im finsternuß umbher
Alß bey der Naß geführet.
Betrachtet nur der Pfaffen handel
Wie gleich sie Christo sind im wandel
So werdet ihrs befinden
Welche die rechte blinden sind
Die (wie man im Matthæo findt)
Leiten die ander blinden.
Man siehts in Dörffern hin und wieder
In Stäten Höfen auff und nieder
Wie sie mit ihren Wercken
Verleugnen Christi Creutzes krafft
Hie und auch in der Nachbarschafft
Ist es scheinbar zu mercken.
Sonderlich wird im Bawern hauß
Der Pfaffenschalck gelassen aus
Vnd recht der Fuchs entdecket:
Die Pfaffen doch auff Fürsten häuser
Vnd in der Stadt sind etwas weiser
Haben ihn baß verstecket;
Weil ihr Zuhörer in gemein
Witziger dann die Bawern seyn
Wissen sie sich zu schicken:
Fein Gravitet'sch sie ihr Person
Agiren und auch ihr Sermon
Mit Griechsch und Latein spicken:
Bleiben bey den Historjen nicht
So gar schlecht alß im Dörff geschicht
Können mehr ding einführen;
Die glaubens puncten baß umbrühren
Scharff pro & contra disputirn
Die Ketzer condemniren:
Haben ihr thun mit kunst geziert
Außbündig Logicam studirt
Darumb sind sie in Ehrn;
Auff Hochzeiten und Gästereyen
Sitzen sie oben bey den Freyen-
Edlen- und großen Herren
Bey welchen sie alß Hochgelehrt
Gehalten werden lieb und werth
Dran haben sie gefallen.
Den ersten trunck den ersten schnitt
Den ersten tritt haben sie mit
Im tantz fur andern allen.
Da man viel find't der blinden Gäst
Ist der einäugig noch der best
Soll billig sitzen oben.
Wer Noë Taub nicht haben kan
Der muß den Raben nehmen an
Die schwartze federn loben.
So müssen auch offt große Herrn
Annehmen und nothwendig ehrn
Der alten Schlangen sahmen
Daß nur die Welt in ordnung bleib
Es geht dennoch ein hinckends Weib
Besser alß funffzehn Lahmen.
Diß muß man sehn und lassen gehn
Biß (Gott geb daß bald mög geschehn)
Sich ander offenbaren
Mit Himmlischer Weißheit bekleidt:
Denn ander zeit bringt ander leut
Das werden wir erfahren.
Ein ander Jahr bringt ander Haer
Das ist ja wahr wir sehn es klar
An Menschen und an Thieren
Also wird man weiß ich gewiß
Auß der Schrifft zeugnuß (mercket diß)
Vollkommen weißheit spühren
Vnd wird das stückwerck halten auff
Wann die Weltwitz in ihrem lauff
So starck nicht mehr Regieret
Ja wann sich werden stellen ein
Die nicht von und durch Menschen seyn
Erwehlet und Vociret,
Alß unser' Herren Titultrager
Warheit verjager Frommen plager
Die nach all ihren willen
Verkauffen ihr' blauw bunte brillen
Schwatzen daher auß den Postillen
Beutel und bauch zufüllen.
Diese herren von Hohenschulen
Die mit Potiphars Haußfraw bulen;
Den langen Rock mit falten
Ihr gelt kunst gunst authoritet
Darin all ihr vertrawen steht
Lieben und gern behalten
Hat uns der Herr beschrieben recht
Lest auch durch Paulum seinen Knecht
Vns zeigen an darneben
Zur trewen warnung daß man soll
Sich fursehn und ihr huten wol
Nicht folgen ihrem leben.
Denn sie wie auß den früchten scheint
Im hertzen seynd der warheit feindt
Vnd wandlen nicht rechtschaffen
Sind faule bäuch und Lehre schleuch
Sie essen lecker schlaffen weich
Beid Stät und auch Dörffpfaffen.
Die Mauß wie ihre Mutter ist
Die Katz sie endlich beide frisst
Pflegt man sprüchweiß zusagen
Also auch diese herrn Pastorn
Lateinsche Deutsche Den'sche thorn
Einer arth Cappen tragen.
In Gottes weißheit sind sie blindt
Ein blaß voll wind drinn Erbsen sind
Acht ich gleich ihren sachen
Darfs aber nicht wie ich wol kan
Laut sagen dem gemeinen mann
Möcht mir sonst ungunst machen.
Der Leser geb' nur fleißig acht
Die Heilig Schrift dabey betracht
So wird er will ich hoffen
Wol sehn und im gewissen frey
Bekennen daß die warheit sey
In diesem buch getroffen.
Die frommen sind hir nicht gemeynt
Ich halt sie all' fur liebe freund
Die sich im guten üben
Christo nachfolgen schlecht und recht
Als Kinder und getrewe Knecht
Von Gottes Geist getrieben.
Ob wol derselben weinig seyn
Vnd ihr heufflein noch ist sehr klein
Weil AntiChrist regieret
Durch sein Schrifftklugen über all
Vnd von den grösten hat beyfall
Wie man heut heuffig spühret.
Doch weil die Schrifft bezeuget diß
Glaub ich und halte fur gewiß
Daß nun bald werden kommen
Die sieben tausend die noch nie
Fur Baal gebeugt ihre knie
Des freuwet euch ihr frommen.
Ew'r zahl wird werden groß gemacht
Mein Leser nehmt die wort in acht
Vnd habt mit mir verlangen
Nach solcher zeit die nicht mehr weit
Macht euch bereit in reinigkeit
Die warheit zu empfangen.
O lieber Gott Herr Zebaoth
Mach' doch zu spott die lose Rott
Löß die Fahn von der stangen
Gib fried O Herr: Dem Satan wehr
Sein list abkehr Daß er nicht mehr
Dein Volck beschwer
Laß deine Warheit prangen.
Von hertzen ich diß wunsch und bitt
Befehl uns Gottes gnad hiemit
In Iesu Christi Namen.
Herr Iesu komm Mach recht das krumm
Das böse fromm Vnd klug das thumm
Dar bitt' ich umb
Zu deinen Ehren Amen.