An den Schatten des Numan.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Numan, dein gedenkt das Herz,

Nimmer werde dein vergessen!

Oft noch soll der herbe Schmerz

Mir um dich die Wange nässen.

Lange noch sey dir mein Leid,

Lange noch mein Lied geweiht.

Du, den in der grausen Noth

Mir der Gott zum Retter sandte;

Du, der von mir herben Tod,

Und noch herbre Schande wandte;

Den der Thaten Edelste

Ach sein Herzblut kostete. . . .

Dunkles Schicksal, ach warum

Musste so mein Numan enden?

Giovanni, ach warum

Musstest du den Freund vollenden? . . .

Doch das Schicksal, ernst und stumm,

Achtet störrig kein Warum! . . .

Numan, dein entseelter Staub

Liegt im Schooss des Meers, und modert . . .

Oder ward vielleicht der Raub

Düstre Fluth dir abgefodert?

Hat vielleicht am öden Strand

Ihn verscharrt des Fremdlings Hand?

Nun getrost! dein bessrer Theil,

Numan, bleibet unverlohren.

Ward nicht Christus, Aller Heil,

Numan, auch für dich gebohren?

Dennoch sollte, rein und schön,

Numans Seele untergehn?

Numan, nein, war fromm und gut.

Nein, auch Numan ward getaufet,

Ward durch Wasser und durch Blut

Vom Verderben losgekaufet.

Numan, Numan auch für die

Starb, der mich erlöste, mich!

Einstens, wenn die Wage klingt,

Wenn der ernste Richter richtet;

Wenn die Rache blitzbeschwingt,

Die verruchte Schaar vernichtet;

Wenn die Gnade, blutversöhnt,

Mich und Giovanni krönt;

Giovanni dann und ich

Fassen Numan in der Mitten,

Und der Richter neiget sich

Huldreich zu der Sünder Bitten.

Ja der Richter wird versöhnt,

Und auch Numan wird gekrönt.

Dann mit Numan Arm in Arm

Wird mein Giovanni wallen.

Aller Hader, aller Harm

Endet sich in Wohlgefallen.

Froh wird dann Bianca stehn,

Froh die Freunde wandeln sehn.