An des Prinzen von Preußen Königliche Hoheit

By Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Written 1761-01-01 - 1761-01-01

Dem du nachahmen sollt,

Dein König, Prinz! hat Tag und Nacht,

Von Jugend an, gedacht,

Einst groß zu sein, und ist, was er gewollt.

Er ist des Vaterlandes Lust,

Europas weiser Schiedesrichter,

Held, Philosoph und Dichter.

Was Antonin, und Cäsar, und August,

Und Titus war, und mehr,

Das alles, Prinz, ist Er!

Um seinen Thron im prächtigen Berlin

Stehn Grazien und Musen; ihren Tänzen

Sieht er oft zu, sie werfen ihn,

Nicht ohne Neid, mit ihren Lorbeerkränzen!

Sein Waffenplatz erwartet ihn; er eilt,

Ist Kriegesgott, sieht seine Fahnen fliegen;

Ein Blick, der sie zusammen zieht und teilt,

Gebeut, so schlagen sie, und siegen!

Doch oft erholt er sich ein wenig

Vom Ungemach der Monarchie;

Dann hat das stille Sanssouci

Den Philosophen, nicht den König!

Da denkt er dann in seiner großen Seele

Gedanken, wie die Marc-Aurele,

Und liest –

O Prinz, o wag' es doch einmal,

Und trag' in seinen Büchersaal

Dies Fabelbuch, dein Spiel!

O! wenn es dann dem Könige gefiel

Hineinzusehn! Dann hörte dein Äsop

Vielleicht von Fern ein kleines Lob;

Das würde dann mit neuem Mut

Ihn allsobald beseelen!

Und du! du dürftest nur befehlen,

So würd' er kühn, und kurz und gut,

Noch manche Fabel dir erzählen.