An die Demoiselle W ---- in Nahmen des Kemares.

By Johann Georg Gressel

Erbrecht galantes Kind das Siegel und mein Hertze

Und schauet daß es treu ob es schon blöde ist

Es wurd von euch entzündt durch eurer Augen-Kertze

So bald es eure Pracht und deren Licht gegrüßt.

Dann als eur schöner Mund so viele Heimlichkeiten

Ja gar eur gantzes Hertz mir kündig liesse seyn;

So fing an alsofort die Liebe zu bereiten

Ein Neigungs-volles Feur mich euch dadurch zu weyhn.

Doch meine Blödigkeit verhälete die Flammen

Ich war nicht dreist genug sie Schönste kund zu thun

Ich meynte weil sie her von euren Augen stammen

So würde Brand und Feur bey euch nicht minder ruhn.

Ich ließ die schöne Zeit verschwenderisch verstreichen

Da ich eur

Bald können so ein Bild in eure Brüste zeichen

Das mir vor andern stets gegeben süssen Blick.

Ich dachte zwar sehr offt die Gluht zu offenbahren

Und war abwesend mehr als ich verlangte dreist

Allein! wenn ich euch sah so ließ den Muth ich fahren

Die Worte waren weg es war verirrt der Geist.

Nun da eur schön Gesicht mein Hertze muß entbähren

So sage ich euch frey durch diese treue Schrifft

Daß eure Schönheit ich so lange will verehren

Bis mir der blasse Tod das matte Hertze trifft.

Auf bis Bekänntniß will ich diese Antwort hoffen

Jhr werdet eurem Knecht noch ferner günstig seyn

Und lassen ihm den Port zu Brust und Hertzen offen

So stellt bey euch sich stets als treuer Diener ein

Kemares.