An die deutsche Sprache

By Theodor Däubler

Written 1900-01-01 - 1900-01-01

Ein mächtiger Mond überwältigt Gestalten,

In Stummheit um schauderndes Spüren gebaut,

Gebeut ihnen: Sagt! Und da hör ich den Laut

Der Vorfahren freundlich im Wunderwald walten.

Ich seh Zugedichtete Ansprachen halten:

Woher an das Ich, daß ihm hingebannt graut?

Bald lispelts durch Finsternis lieblich und traut:

Was wolkt, als ob Sprachen ums Mondwort sich ballten?

Ich lächle bloß einer: da stürzt sich ihr Segen

Aufs Fühlen aus Glück, daß ich Mensch bin, herab.

Dann tret ich dem Monde bekennend entgegen:

Er schirrt ein Gespann mir, zu rhythmendem Trab!

Der Fron frei entdacht, übertrumpft mich Sich-Regen

Geschildeter jäh: ihre Reden sind knapp.