An die falsche Lysilis.

By Johann Georg Gressel

So meynet Lysilis, daß ich des Todes sey

Wenn ihre Gunst mir fehlt und sie mir ungetreu?

So meynt sie daß mein Geist vor Uberdruß verschmachtet

Wenn sie mich hönisch schillt und ohne Schuld verachtet?

Ach Nein! die Meynung triegt ich bin noch unverzagt

Ich fühle nicht daß mich um sie ein Kummer plagt

Will ihr gleich meine Waar aus Hochmuth nicht gefallen?

Sie wird darum doch nicht verkleineret von allen.

Will sie nicht Käuffer seyn so sind derselben mehr

Sie reissen sich um sie ja auch nicht allzusehr.

Wenn sie nicht bessern Stoff vor ihren Laden leget

Alsdenn sie keinen Mann in ihrer Buden heget.

Fahr hin du bist verlacht du dunckles Augen-Licht

Dein Spiegel schmeichelt sehr und gibt dir falsch Bericht

Sie meynt sie wäre zart

Sie meynt daß man mit recht sie als die beste kröhne

Doch Nein! sie ist nicht schön wie es ihr Sinn begehrt

Die falsche Schönheit wird durch Einbildung ernehrt.

Fahrt hin ich acht eur nicht ihr falschen Liebes-Sterne

Jhr düstert in der Näh’ und gläntzet nur von ferne.

Jhr falsches Hertze ist ein Boden-loser See

Und ihre Treu vergeht wie der Aprillen-Schnee

Sie ist ein Wetterhahn den jeder Wind verdrehet

Und bald nach Ost und West nach