An die Florette. B. N.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Florette soll ich denn in flammen untergehn?

Ist nichts als kalter schnee in deiner brust zu finden?

Kan sich dein purpur-munb mit hitze nicht verbinden?

Und sieht man auch den neyd auff reinen wangen stehn?

Ach! schaue dich doch selbst mit andern augen an!

Der schönheit fürniß kan nicht ewig farbe fassen

Dein schimrend waßer wird wie trübe glut erblassen;

Denn iede stunde zeigt wie sie dir trotzen kan.

Was heute carmasin und scharlach überdeckt

Wo muschel und corall um alabaster gläntzen

Was himmel und natur mit rosen-schein umkräntzen

Wird morgen durch das gifft der trüben zeit befleckt.

Der frühling wird dir nicht stets um die lippen stehn

Der beste nelcken-strauch wird endlich hingerißen

Und deine blumen sind nur flüchtige nareißen

Die heute prächtig blühn und morgen untergehn.

Dem sommer folgt der herbst dem herbste winters-zeit

Florette dencke selbst wie deine früchte reiffen;

Ach! laß sie werthe doch den winter nicht ergreiffen

Ein frischer apfel giebt die beste liebligkeit.

Schleuß deinen garten auff weil dich der himmel liebt

Ein rebenstock ist ja für menschen aufgeschoßen

Was hilfft ein süsser trunck der keinen mund befloßen?

Was nützt granaten-frucht die keine kerne giebt?

Ein weib das fleisch und blut in ihrem busen trägt

Und doch die jungfrauschafft will lebendig begraben

Ist werth wenn schlang und wurm den leib gefressen haben

Daß man ihr diese schrifft auf ihren leich-stein prägt:

Hier lieget pech und stroh das keine flammen fing

Ein schweflicht wesen das beym feuer nicht entbrante

Ein zunder-voller leib der keine glut erkante

Ein glantz der in der lufft wie trüber rauch verging:

Ein brunn der seine quell in feste mauren schloß

Ein balsam den wir nur von weitem angerochen.

Ein süsser citronat den keine faust gebrochen.

Ein artzt der seine krafft auff kalte tücher goß.

Ein bunter blumen-platz den ieder nur beschaut.

Ein feld das weder pflug noch schare durchgeschnitten.

Ein wolgeziertes pferd das keinen sporn erlitten

Und wie Bucephalus dem schatten kaum getraut.

Ein himmel der nur schmertz und keinen trost gebahr.

Ein amber-voller kram der keinem feil gewesen

Und will man alles hier aus einer zeile lesen:

Hier liegt ein todes mensch das keine menschin war.

Jm leben wolte sie die Juno selber seyn

Jhr mund vermählte sich mit schimmrenden rubinen

Jtzt muß ein kahler sarg zum trauer-zimmer dienen

Und schliest den gantzen rest in diese breter ein.

Florette schreckt dich nun die schwartze grabes-schrifft

So lerne schönste dich doch selber recht erkennen

Laß auch die liebes-glut in deiner brust entbrennen

Und meide mit bedacht das trübe todtes-gifft.

Das bette steht dir mehr als schwartze bahren an;

Der kittel wird dich nicht so wie die federn zieren

Das alter soll den tod die jugend lüste spüren

Weil sich der sommer nicht mit kälte schwistern kan.

Ein schatten volles grab hegt schlechte lebens-lufft

Man kan der lippen ruhm nicht vom gerippe lesen:

Und was dein purpur-mund und deine pracht gewesen

Zeigt nur dein ebenbild und keine todten-grufft.

Was ist die jungfrauschafft? ein schlechtes rosen-blat

Das mit dem alter auch die kräffte läst verschwinden

Da pracht und zierde sich auff kurtze zeit verbinden

Und der beliebte glantz bestimmte stunden hat.

Ein kurtzer augenblick reist alle sonnen ein

Kein schimmer kan so bald als diese glut erblassen

Und daß wir mit der zeit das leben selber hassen

Komt daß wir in der zeit zu faul gewesen seyn.

Wol der die schertz und lust in stiller andacht treibt

Die nichts als nectar läßt um ihre lippen lachen

Und das verliebte spiel der kleinen wundersachen

Durch zucker-süsse krafft auff alabaster schreibt.

Die kan wann muth und krafft von winden untergehn

Wenn auge mund und hertz wie trüber dampff verstreichen

Und der entseelte leib im grabe muß erbleichen

Doch in dem Contrafait der zarten kinder stehn!