An die hoch-adel. frau mutter Herrn Abraham Siegmunds von Hohberg als derselbe i...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

So wie ein donner-keil durch hohle cedern fährt

Wenn der gepreßte knall den grünen wald erschüttert:

So hat des himmels krafft auch meinen geist verzehrt

Da sie betrübteste vor seinem donner zittert.

Mein brieff soll voller trost und voller zucker seyn;

Was aber soll mir doch die schwache feder rühren

Indem wir halb erstarrt cypressen-zweige streun

Und ihren liebsten sohn zum schwartzen grabe führen?

Ach allzulieber sohn! ach allzuschwartzes grab!

Wie bald kan glück und zeit doch seinen wechsel finden!

Wie bald fällt doch die frucht der reiffen hoffnung ab

Wenn unser lebens-baum läst seine pracht verschwinden.

So unbeständig ist der grosse Barmach nicht;

So weiß Suratta nicht das wetter zu verkehren;

Als wenn des himmels-schluß durch die gedancken bricht

Und unsre Babel sich wie schatten-werck verzehren.

Wer rühmte seligster nicht deiner jugend glantz

Die wie ein feigen-baum vor blüte frucht getragen

Als dir die tugend selbst den grünen lorbeer-krantz

Und ihren ehren-preiß üm deinen kopff geschlagen?

Und dennoch schleust die grufft itzt deinen schimmer ein

Der freunde lust-stern muß mit deiner brust erbleichen;

Und dein entseelter mund wird selber zeuge seyn

Daß muth und jugend nur dem porcellane gleichen.

Des vaters edler ruhm der ahnen tapfferkeit

Wird numehr allererst auff erden sich vermissen;

Nachdem der wunder-fall der kummer-vollen zeit

Dich als ihr ebenbild der stoltzen welt entrissen.

Doch dieses nicht allein: das theure Schlesien

Fängt auch an über dich als seinen sohn zu klagen

Und schaut mit thränen an daß hier die Najaden

Und nicht sein mutter-arm dich kan zu grabe tragen.

Zuletzt kommt Themis selbst und denn die tapfferkeit:

Die bricht den festen schild bey deiner grufft in stücken

Und jene hat den leib mit flor und boy bestreut

Und will dich noch als kind an ihre brüste drücken.

Diß schreib ich aber nicht was deiner brüder weh

Vor liebes-seuffzer läst nach deiner seele schiessen;

Noch wie die mutter selbst aus ihrer hertzens-see

Das saltz der thränen läst als rundte perlen fliessen.

Ein offtbeklagter todt verdoppelt nur die pein

Und der muß grausamer als rasende Cyrcassen

Und unempfindlicher als wilde Mohren seyn

Der nicht auff deinen ruhm soll frische thränen lassen.

Welch nebel aber klebt doch meinen augen an?

Genug betrübteste die thränen sind verstrichen:

Ihr allerliebster sohn tritt auff des himmels-bahn

Und ist dem Ninive der erden ausgewichen.

Sein blut-bespritzter leib macht nun in JEsu schooß

Die rosen-rothe bach zu reinen silber-qvellen:

Nachdem die seele sich von allen sünden loß

Vor GOttes augen kan in weissem atlas stellen.

Die engel waschen selbst der wunden scharlach ab

Und lehren wie er soll dem höchsten opffer bringen;

Er der zu guter nacht durch das bedeckte grab

An seine freunde noch läst diesen trost erklingen:

Adjeu! Ich lebe wohl; denn ist gleich meine brust

So wie der abend-glantz bepurpert untergangen:

So glaubt daß nach der zeit die sonne meiner lust

Auch wie der morgen wird in vollem golde prangen.