An die HochEdle Dahme Jungfr. Anna Euphrosyne gebohrne von Pohlentz alß ich sie ...

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Maß Stimme hör ich klingen,

O Süssigkeit! Wer kan

So schön vnd lieblich singen,

Alß Orpheus nie gethan?

Lebt vnsre Sappho wieder?

Thalia? oder sind

Es etwa solche Lieder,

Die deine Kunst beginnt?

Verkriecht euch, meine Seiten,

Dein Werck, o Nachtigall,

Erreicht noch nicht bey weiten

Den angenehmen Schall.

Kan ich recht Vrtheil fällen,

So dringet vngefehr

Auß himlischen Capellen

Dieß schöne Stimchen her.

Bist du es, Euphrosyne?

Dein Mund, du edle Zier,

Ist eine zarte Biene

Vnd ziehet vnß nach dir,

Weiß vnsern Sinn zu zähmen,

Wen deine Süssigkeit

Nicht kan gefangen nehmen,

Der ist ein treuges Scheidt.

Heb, schönste, an zu döhnen

Wo vmb des Meeres Strand,

Es werden die Sirehnen

Verstürtzt in dich entbrandt,

Der Winde Sturm vnd sausen

Geht dir Gehorsam ein,

Neptun wirdt nicht mehr brausen

Vnd dein gefangner seyn.

Waß soll ich davon sagen,

Daß du mein Schäfferlied

Auß freyem Wolbehagen

Zu singen bist bemüht?

Glückselig ist die Stunde

Da ich dieß Lied gestellt,

Daß sich bei dir im Munde

Vnd im Gedächtnüs hält.

Nichts wil ich mehr erwehlen,

Nun mein Gedicht zuletzt

Auch deiner edlen Kehlen

Nicht vnwerth wirdt geschätzt,

Sing, Preiß der edlen Jugend,

Nichts süssers hör ich ie,

Doch machet deine Tugend

Noch schöner Harmony.