An die Jungfrawen in Teutschlandt.
By Martin Opitz
Ihr liebliches Geschlecht dem Venns hat gegeben
Den Schlüssel in die Handt zu aller Männer Leben
Die jhr der liebe Saat auß ewren Augen strewt
Die vns im Hertzen steht gewurtzelt allezeit
Es ist vmb euch geschehn ich schwere bey den Händen
Damit der kleine Gott kan vnsre Sinnen wenden
Ich schwere bey dem Pfeil der mein Gemüthe trifft
Der mich entzündet hat durch angenehme Gifft.
Es ist vmb euch geschehn ich schwere bey der schönen
Der schönen von der ich mein Leben muß entlehnen
Die gäntzlich mich besitzt: Ich schwere bey der Pein
Vnd schmertzen ohne die ich nicht kan frölich sein.
Ich schwere bey dem Liecht das sie mir pflegt zugeben
Wann jhrer Augen Sonn erblickt mein trawrig Leben
Es ist nun mit euch auß weil jetzt Cupido kümpt
Vnd von der Teutschen Sprach auß mir bericht einnimpt.
Es ist nicht lange Zeit daß ich die Venus fande
An einem grünen Orth in meinem Vatterlande
Der silberne Taw fiel vnd tröpffelt hier vnd dar
Wo das sie gieng vnd stund von jhrem guldnen Haar.
Sie wolte daß jhr Sohn hier bey mir solte bleiben
Vnd vnser Teutsche Sprach auffs best ichs wuste treiben
Ich sagte zu so viel mir möglich vnd gab für
Es wer ein junges Kindt: Sie ließ es da bey mir.
Er hieltsich bey mir vff wir liessen nichts erwinden
Vnd kont er ohne müh sich in die Sprache finden.
Ich habe viel vnd offt wenn ich sie liegen fandt
Den Bogen vnd die Pfeil genommen in die Handt.
Als er nun Abschiedt nam an statt mir Danck zuhaben
Gab er mir ein Geschenck (es sind sein alte Gaben)
Er hat mir einen Pfeil getrucket in mein Hertz
Der mich erhalten kan zugleich in frewd vnd schmertz.
O bitter süsse Pein! Der ist es jhr Jungfrawen
Der erstlich mich gelehrt auff Eitelkeiten bawen
Der erstlich mich gelehrt der erstlich mir gezeigt
Deß Volckes arge List daß vns so sehr betreugt.
Das Volck das süsse Volck das mit den glatten Worten
Vnd grosser Freundligkeit erbricht der Hertzen Pforten
Das mit den äugelein dem klaren Angesicht
Erleuchtet vnsre Seel’ als zweyer Sternen licht.
Die vrsach vnsrer Noth die vrsach vnsrer Frewden
Die vrsach zu der Ehr die vrsach zu dem Leyden
Die schreckung vnsrer Seel doch die mit Lust erfüllt
Der Sinnen heisse Brunst doch die sich selber stillt.
O daß ich Sonne wer vnd jhren hohen Wagen
Einmahl regierete nach meinem wolbehagen
Daß ich nur von der Lufft herab recht schawen kundt
Der schönen Angesicht die mich so sehr verwundt.
O daß ich Sonne wer ich wolt jhr Augen machen
Zu Sternen in der Lufft daß ich sie könt anlachen
Vnd ansehn jederzeit sie solte nahe stehn
Dem Monden vnd mit jhm doch nimmer vndergehn.
Wie offt hab ich gewünscht wie offte dörffen sagen
Daß ich wer eine Bien vnd Honig solte tragen
Auß jhrem rothen Mundt wenn er wirdt auffgethan
Bin ich so froh daß ich mich nicht mehr halten kan
Alß dann kompt jhre Seel wann ich mich nichts before
Vnd fleucht in meine Seel als dann macht sie die Thore
Der Sinnen bey mir auff denn ist mein brennendt Hertz
Vmbringt mit seiner Glut vmbringt mit süssem schmertz.
Ach Amor daß ich möcht als eine Fliege werden
Mich dunckt ich were wol glückselig hier auff Erden
Ich wolt ein Häusichen auffbawen bey den Mundt
Der jenen die ich weiß darinn ich wohnen kundt.
Hier were mein Palast hier wolt ich lesen künnen
Das lieblich Himmels Nass vnd beugen jhre Sinnen:
Hier wolt ich recht besehn den wunderklaren schein
In meinem solt jhr Hertz in jhrem meines sein.
Gleich wie zur Sommerszeit die kleinen Feldhewschrecken
Den süssen Morgentaw von schönen Blumen lecken:
So geht es auch mit vns: Ohn alle Spieß vnd Kost
Ernehret vns die Lieb vnd nur von blosser Lust.
Es ist ein süsser Tranck es ist ein süsser Regen
Der vnser Hertz erquickt es ist ein süsser Segen
Der Honig Taw der euch auß ewren Augen fleußt
Ihr schönes Venus-Volck vnd reichlich vns begeußt
Begeust die truckne Seel: Wann jhr vns wolt begeben
So dencken wir hinfort nicht weiter an das Leben
Das Leben mit der Seel vnd Hertzen sein gestellt
In ewere Gewalt: Wir thun was euch gefellt.
Dann Venus ist ein Weib sie hat vns auch den Frawen
Gegeben in die Handt sie allzeit anzuschawen.
Wo stünd jetzundt die Welt wo were wol jhr grundt
Wenn man das klare Liecht von euch nicht haben kündt.
Man sagt daß Jupiter als er erst alle Sachen
Hier in dem wüsten Rund begunt hat außzumachen
Sich dreymahl vmbgekehrt vnd zu sich selbst geredt
Es mangelt ein ding noch daß man vergessen hett
Er bracht ein Thier hervor so nie sonst war erkennet
Daß man bey vns jetzundt hier eine Jungfraw nennet
Als aber er hernach sein Meisterstuck gemacht
Vnd jhn das schöne Bild so freundlich angelacht
Thet jhm sein eygen Werck so trefflich wolgefallen
Daß er der Liebe Brunst empfand vor andern allen.
Wie offtmahl ist der Gott für dem sich nichts verhelt
Der mit dem Plitze spielt vnd schreckt die gantze Welt
Wie offtmahl ist er selbst gemach gezogen kommen
Als jhm sein Augentrost den hohen Sinn genommen
Er ließ das Firmament er ließ den Himmel stehn
Wenn er nur in den Schoß der Liebsten solte gehn
Ich halte den für todt für vnweiß vnd verkehret
Der eine Jungfraw sicht vnd jhm doch nicht begehret
Derselben Huld vnd Gunst er ist ein Klotz vnd Stein
Den nicht bewegen kan der lieblich augenschein.
Solt ich den Himmel nur vor Jupiter regieren
Ich wolt jhn gantz vnd gar mit newem Volcke zieren
Jungfrawen müsten mir vor andern sonderlich
Am allermeisten sein das wer ein Volck vor mich.
Das Handwerck so man würd in meinem Reiche treiben
Das solte Küssen sein: Da wolt ich jmmer bleiben
Vnd ordnen wie man wol recht köndte sein bedacht
Daß jmmer mehr vnd mehr diß thun würd auffgebracht.
Man müst Vneinigkeit Neid Zancken Zorn vnd hassen
In dieser Burgerschafft gantz vnderwegen lassen
Kein Kriegen würde sein als daß so nur betrifft
Genüge Frewd vnd Lust vnd daß die Liebe stifft.
Die Festen wolt ich gantz von Myrten lassen weben
Die vns der Venus Sohn hierzu dann würde geben
Die Wälle solten sein von Thränen auffgemacht
Von Thränen so die Braut vergeust die erste Nacht.
Es wartet jmmerzu der ein auß Venus Knaben
So bald als sie sie nur zu Beth geleytet haben
Der dann mit fleiß zu sich diß thewre Wasser nimpt
Weil man es dieser Zeit gar selten gut bekümpt.
Doch so ich gar nicht kan zu meinem Wunsche kommen
So hab ich dennoch mir auff dißmal fürgenommen
Diß Büchlein ewrer Lieb als ein gewisses Pfand
Der Gunsten die ich trag zugeben in die Handt.
Ach last doch ewren Glantz drauff fallen jhr Jungfrawen
Last ewrer Augen Liecht diß mein Geschenck anschawen
Vnd wünscht mir wünscht mir nur daß mich vor meinen Lohn
Cupido krönen thue mit seiner Ehren Kron
Deß Gottes Himmel ist (Ach wer jhn könt ererben!)
In seiner Freundin Schoß vnd zarten Armen sterben:
Deß Gottes Himmel ist nur allzeit können sein
Bey seiner liebesten verklärtem Augenschein.