An die Liebesgötter

By Maler Müller

Written 1787-01-01 - 1787-01-01

In diesem Regenwetter,

Was schwärmt ihr um den Hain?

Ihr liebsten kleinen Götter,

Kommt doch zu mir herein!

Horcht, wie die Stürme heulen,

Durch jene Felsenkluft!

Die grauen Lerchen eilen

Gebadet aus der Luft.

Kommt hurtig doch geflogen,

Damit der Regen nicht

Erschlaffe euren Bogen,

Euch eure Pfeilchen bricht!

Kommt, hängt zu meiner Leier

Den goldnen Köcher hin,

Den Bogen auch! Zum Feuer

Setzt euch um den Kamin.

Und singt mit süßer Kehle

Mir meinen blonden Freund,

In dessen großer Seele

Sich Kunst und Geist vereint.

Was brauch' ich ihn zu nennen?

Ihn nennt die ganze Welt:

Den Kobell müßt ihr kennen!

Sonst, Knaben, wär's gefehlt.

In Cypris dunklen Hainen

Steht er in hoher Ehr;

Die Grazien', ihr Kleinen,

Sind immer um in her.

O, der hat hohe Gaben!

Der malt euch eine Flur,

Ein' Wasserfall, ihr Knaben,

So schön als die Natur.

Ihr hört die Weste wehen

Herab in's kühle Tal;

Ihr schwört, die Sonn' zu sehen

Und fühlet ihren Strahl.

Auch ehret er die Weisen

Und liebet Scherz und Wein.

Ihr müßt, ihr müßt ihn preisen,

Wenn ihr mir lieb wollt sein.

Denn, goldgelockte Kleinen,

Sehr zärtlich lieb ich ihn.

Ach, ach! Ich möchte weinen,

Daß ich nicht bei ihm bin ...

Ein Kranz wollt' ich ihm winden

Von Rosen, Balsamin

Und süßen Hyacinthen

Und duftenden Jasmin,

Daß er in heißen Tagen

Um seine Stirne weht,

Wenn über ihn der Wagen

Der goldnen Sonne steht.