An die NachdruckerFußnoten

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

O Schiffchen! führst du gleich kein schwer

Geschütz, an deinem Bord',

So setz' auf Räubervollem Meer'

Die Fahrt doch ruhig fort.

Wer oft, wie ich, schon Feinde schlug,

Dem wird's zuletzt ein Tanz;

Drum segl' ich fort im vollen Flug',

Mir selbst Assecuranz genug,

Ohn' all' Assecuranz.

Ich lag noch still im Hafen hier,

Da forschte schon die Raubbegier:

Wann? und wohin mein Lauf

Gerichtet sey? da paßten mir

Schon die Piraten auf.

Im Angesicht' des Hafens, macht

Das Raubgesindel auf mich Jagd,

Und folgt mir Strich vor Strich.

Heran, Gesindel, hast du Muth!

Heran und entre! Ohne Blut

Nimmt freilich keiner mich.

Was soll das, Schurken! Warum steckt

Ihr fremde Flaggen auf,

Und haltet Euch am Bord' versteckt?

Wer achtet wohl darauf?

Schwärzt das Gesicht Euch wie ein Mohr,

Nehmt noch so schöne Larven vor;

Man kennt Euch wohl, ihr Herrn!

Kauffahrer wäret ihr? O Brut

Von David ! dein geraubtes Gut

Verräth dich schon von fern.

Herab denn mit der Flagg', herab!

Nehmt Eure plumpen Larven ab,

Die Heidesheim erfand!

Und raubt, wie Göbhard, der Corsar

Von Bamberg, lieber offenbar,

Denn wer thut Widerstand?

Des Eigners Schrein, wenn über Bord

Ihr nach der Beute springt,

Ist alles; doch ihr segelt fort

Mit Eurer Pris', und singt

Und lacht, daß ihr sie auf im Port',

Und schnell an Käufer bringt.

Ein Schiff, das Sachsens Flagge führt,

Bringt ihr zu Frankfurt auf;

Ist's umgekehrt: ei nun! was schiert

Euch das? Auf anderm Striche, führt

Nach Leipzig Euer Lauf.

Sperrt man Euch beide Hafen gleich,

Berlin noch oben drauf:

Mit Eurem Raube nehmen Euch

Noch zwanzig Hanaus auf.

Was ist es mehr? Ihr schiffet hier

Die Waaren aus, statt dort;

Wo nicht; so schickt von München ihr,

Sie einzeln, sicher, fort.

Die Mäkler, wenn sie gleich wie toll

Als Räuber Euch verschrein,

Ersparen dennoch gerne Zoll,

Und schleppen heimlich Frachten voll

Von Eurem Raub' sich ein,

Denn ohne Hehler würden wohl

Der Stehler wenig seyn.

Fahrt ihr – und was macht schneller reich? –

Ins hohe Meer hinaus,

So sucht ihr von den Schiffen Euch

Die reichsten klüglich aus.

Wer ohne Hortschiff fuhr, wie ich,

Was Wunder! wenn der gleich

Die Segel willig vor euch strich?

Denn wie entflöh' er euch?

Soll bei der Admiralität

Er euch belangen? Hum!

Der, dem ein Lamm verloren geht,

Verklagt kein Schaf darum.

Denn, sagt der Schäfer, einerlei

Am End' es freilich ist,

Ob Herkul, ob der Wolf es sey,

Der mir die Schafe frißt?

Allein ein Hortschiff widersteht

Euch Räubern, selbst nur schwach;

Am Hafen der Neutralität

Paßt ihr ihm auf, und sieh! es kräht

Nicht Hahn noch Huhn darnach.

So respectiret der Corsar

Algiers, der Schweden Flagge zwar,

Doch kaum ist seinem Netz'

Der Schwed', als Schwede, noch entflohn,

So kommt ein andrer Räuber schon,

Und schleppt ihn mit nach Fez.

Und wenn ein Hortschiff gleich einmal

Von eurer Schiffe großen Zahl,

Eins auf den Strand auch jug:

O! das, was einer von euch stahl,

Ist Lösegeld genug.

Hispanien und Frankreich griff

Algier vergebens an;

So nimmt euch Eine Macht ein Schiff,

Doch eure Werfte kann

Die Eine nicht, so groß sie sey,

Zerstören; ihr gewinnt

Indeß, so wie Algier, dabei,

Wenn von zehn Staaten, selten zwei

In Deutschland einig sind.

So ist's ein wahrer Markebrief,

Den Schramm und Franke führt;

Weg ist, was aus dem Hafen lief,

Wenn sie die Ladung rührt.

Mein kleines Schiff gehöret zwar

Zur Silberflotte nicht,

Und dennoch läßt es der Corsar

Nie ganz aus dem Gesicht'.

So kommt denn her und greift mich an!

Ich halte sicher Stand.

Mein Brander, wenn ich sonst nichts kann,

Steckt wenigstens von allen dann

Ein Raubschiff erst in Brand.

Wenn's einem Theil' an Muth gebricht,

Wird Sieg ein leichter Kauf;

Ich aber streiche sicher nicht,

Und flög' ich selbst mit auf.

Allein genug Allegorie!

Was nützt es, euch das Bild

Der Wahrheit zeigen? Braucht ihr sie

Doch selbst, – wie frech! – als Schild.

Der Schweden Banconote führt

Die Warnung für den Hang,

Der einen Strobel selbst regiert:

„Wer dieses nachdruckt, der verliert

Das Leben durch den Strang!“

Zum Glück' für euch, geht's zwar nicht an,

Daß ich den Ersten gleich,

Der wieder zum Lips Tullian

An mir wird, hangen lassen kann,

Doch zwingen kann ich euch,

Daß, wie ein Goldstück ohne Rand,

Ihr, halb verstümmelt, diesen Band

Umher am Trödel treibt;

Wo nicht: daß ihr mit eigner Hand

Euch euer Urtheil schreibt;

Mit eigner Hand den Pranger setzt,

Woran der erste Dieb, zersetzt

Von Geißeln, sterben soll;

Denn eure Freiheitsbriefe sind

Gerechter Rache, Spreu im Wind',

Und euer Maß ist voll!