An die nacht darinnen ihm von ihr träumte.
Seyd tausendmahl begrüsst ihr tunckle-reiche schatten
Der himmel kröne dich du gold-gestirnte Nacht
Weil du mein helles licht mir wieder wilt erstatten
Das mir ein schnöder tag so finster hat gemacht
Ja wohl mit recht ist der ein schnöder tag zu nennen
Der meinen leitstern mir Melinden hat entführt
Der meine gluth erstickt darin ich pflag zu brennen
Und allen schmuck versehrt womit ich ausgeziert.
Doch was der tag verbrach wilt du o nacht! ersetzen
Er riß Melindem weg du aber bringst sie mir
Und da er als ein feind zerstörte mein ergötzen
So stellstu mirs im traum noch eins so lieblich für;
Ach angenehmster traum der mir mein leben zeiget
Der mich und was ich bin mit stiller lust umbschliest
Der die vergnügung selbst auf meine Scheitel neiget
Und mein vergälltes glück so zärtlich mir versüst
Wie artig bringst du mir im schatten doch getragen
Melindens lieblichkeit und sternen-gleiche pracht.
Die der vorhaste tag mir gleichwol will versagen
Weil er auf sonsten nichts als meinen todt bedacht;
Wie offters pfleg ich nicht Melinden zu erblicken
Wie prächtig scheint mir nicht ihr holdes angesicht
Wie häufig pflegt sie doch die glut auf mich zu schicken
Die mit verliebten glantz aus ihren augen bricht
Wie freundlich stelt sie sich mit fingen spielen lachen
Und tret ich endlich auch zu ihr was näher hin
So spür ich allererst die rechte wunder-sachen
Die durch verborgne krafft bezaubern muth und sinn.
Wir doppeln ungescheut die keuschen liebes-flammen
Die weder haß noch neid durch ihren gifft befleckt
Und schliessen hand und mund durch einen kus zusammen
Der lieblich ist wie sie und nach den himmel schmeckt
Ach wär es möglich doch dis immer zu geniessen
Was mir ein sanffter traum so lieblich fürgestelt
Gewis ich wolt im traum mein leben gar beschliessen
Das ohne diesen trost kaum kaum sich noch erhält.
Was aber Phantasie; ihr taumlende gedancken
Wo laufft ihr endlich hin? wie sehr verirrt ihr euch!
Wie thörigt sucht ihr doch in Morpheus blinden schrancken
Den ursprung eurer lust und euer freuden-reich.
Was sind die träume doch? ein irrwisch unsrer hertzen
Der mit verlognem schein uns von der warheit führt
Ein falsches schatten-werck zur mehrung unsrer schmertzen
Zu blenden die vernunfft die unser thun regiert.
Ein zunder welcher uns je mehr und mehr entzündet
Ein etwas das zerfleucht nichts war und nichts verbleibt
Ein blitz der unversehns im augen-blick verschwindet
Ein dunst der in der lufft wie trüber rauch zerstäubt.
Melander hoffstu nun was dir die träume zeigen
Ach du betriegst dich selbst in deinem eitlen wahn
Melinde wird sich nie so eyfrig zu dir neigen
Als wol ein falscher traum dir solches kund gethan;
Du weist ein weiter ort hält ihren leib gebunden
Sie sucht in frembder lufft versüste frühlings-ruh
Und da sie sich vielleicht mit Lilljen hat umbwunden
Weht dir ihr freuden-wind die schärffste dornen zu.
Du must dich nur allhie mit schatten-wercke speisen
Wie aber reimt sich doch verliebt und ferne seyn?
Wie schickt sich wohl dein weh zu ihren anmuths-reisen?
Und ihre grausamkeit zu deiner seelen-pein?
Armseelger glaube nicht Melinde werd dich lieben
Nein nein nur mache dich von solchem wahn befreyt
Sie weis von deiner noth sie kennet dein betrüben
Und gleichwohl lebt sie dort in lauter freudigkeit.