An die nacht darinnen ihm von ihr träumte.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Seyd tausendmahl begrüsst ihr tunckle-reiche schatten

Der himmel kröne dich du gold-gestirnte Nacht

Weil du mein helles licht mir wieder wilt erstatten

Das mir ein schnöder tag so finster hat gemacht

Ja wohl mit recht ist der ein schnöder tag zu nennen

Der meinen leitstern mir Melinden hat entführt

Der meine gluth erstickt darin ich pflag zu brennen

Und allen schmuck versehrt womit ich ausgeziert.

Doch was der tag verbrach wilt du o nacht! ersetzen

Er riß Melindem weg du aber bringst sie mir

Und da er als ein feind zerstörte mein ergötzen

So stellstu mirs im traum noch eins so lieblich für;

Ach angenehmster traum der mir mein leben zeiget

Der mich und was ich bin mit stiller lust umbschliest

Der die vergnügung selbst auf meine Scheitel neiget

Und mein vergälltes glück so zärtlich mir versüst

Wie artig bringst du mir im schatten doch getragen

Melindens lieblichkeit und sternen-gleiche pracht.

Die der vorhaste tag mir gleichwol will versagen

Weil er auf sonsten nichts als meinen todt bedacht;

Wie offters pfleg ich nicht Melinden zu erblicken

Wie prächtig scheint mir nicht ihr holdes angesicht

Wie häufig pflegt sie doch die glut auf mich zu schicken

Die mit verliebten glantz aus ihren augen bricht

Wie freundlich stelt sie sich mit fingen spielen lachen

Und tret ich endlich auch zu ihr was näher hin

So spür ich allererst die rechte wunder-sachen

Die durch verborgne krafft bezaubern muth und sinn.

Wir doppeln ungescheut die keuschen liebes-flammen

Die weder haß noch neid durch ihren gifft befleckt

Und schliessen hand und mund durch einen kus zusammen

Der lieblich ist wie sie und nach den himmel schmeckt

Ach wär es möglich doch dis immer zu geniessen

Was mir ein sanffter traum so lieblich fürgestelt

Gewis ich wolt im traum mein leben gar beschliessen

Das ohne diesen trost kaum kaum sich noch erhält.

Was aber Phantasie; ihr taumlende gedancken

Wo laufft ihr endlich hin? wie sehr verirrt ihr euch!

Wie thörigt sucht ihr doch in Morpheus blinden schrancken

Den ursprung eurer lust und euer freuden-reich.

Was sind die träume doch? ein irrwisch unsrer hertzen

Der mit verlognem schein uns von der warheit führt

Ein falsches schatten-werck zur mehrung unsrer schmertzen

Zu blenden die vernunfft die unser thun regiert.

Ein zunder welcher uns je mehr und mehr entzündet

Ein etwas das zerfleucht nichts war und nichts verbleibt

Ein blitz der unversehns im augen-blick verschwindet

Ein dunst der in der lufft wie trüber rauch zerstäubt.

Melander hoffstu nun was dir die träume zeigen

Ach du betriegst dich selbst in deinem eitlen wahn

Melinde wird sich nie so eyfrig zu dir neigen

Als wol ein falscher traum dir solches kund gethan;

Du weist ein weiter ort hält ihren leib gebunden

Sie sucht in frembder lufft versüste frühlings-ruh

Und da sie sich vielleicht mit Lilljen hat umbwunden

Weht dir ihr freuden-wind die schärffste dornen zu.

Du must dich nur allhie mit schatten-wercke speisen

Wie aber reimt sich doch verliebt und ferne seyn?

Wie schickt sich wohl dein weh zu ihren anmuths-reisen?

Und ihre grausamkeit zu deiner seelen-pein?

Armseelger glaube nicht Melinde werd dich lieben

Nein nein nur mache dich von solchem wahn befreyt

Sie weis von deiner noth sie kennet dein betrüben

Und gleichwohl lebt sie dort in lauter freudigkeit.