An die Nacht.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Heilige Nacht, du kühlst mit leisem Fittig

Jede versengte Wange, trocknest jede

Thränende Wimper, lullst in süssen Frieden

Jeglichen Jammer.

Fächl', o gewünschte Nacht, auch Ihre Wangen,

Schleuss ihr die seidnen Wimper freundlich

lullend;

Lispel' in süssem ahnungreichem Traum ihr

Schmeichelnde Tröstung,

Dass sie des Trostes froh im Schlafe lächle,

Lächelnd die seidnen Wimper wieder öffne,

Schöner erröthend, als des jungen Morgens

Züchtige Schimmer — —

Heilige Nacht, mit deinem Rabenfittig

Fächel' auch mir die mattgesengte Schläffe,

Tauch' in des Schlummers Lethe dieses

Herzens

Lechzende Sehnsucht.

Oder umgaukle, Fantasus, mich tröstend.

Wiege mich ein in ihre Feenarme,

Lass auf dem Schwanenflaum des edlen Busens

Nieder mich schlummern.

Schlummern zu dürfen, ach, in ihren Armen,

Opferten Könige gern die Diademe,

Gerne der Held sein Schwert, der Dichter gerne

Leyer und Lorbeer — —

Heilige Nacht, du linderst jeden Kummer,

Kräftigest jeden Nerv, stählst jeden Muskel.

Sey denn, Gewünschte, auch dem frommen

Fleher

Hold und gewärtig!