An die Phillis.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Cupido hatte sich aus kurtzweil fürgenommen

Auff einen sonntag jüngst zur Phillis hin zu kommen

Er schlich auch unvermerckt in die gesellschafft ein

Als man noch emsig war durch lachen spiel und küssen

Den kurtzen rest der zeit erfreulich zu geniessen

Und wolte bey der lust selbst koch und kellner seyn.

Itzt sah man allererst wie sich die hertzen regten

So bald der kleine schalck in die versammlung trat

Wie man die Phillis hier um ihre liebe bat

Die augen aber dort sich gantz erhitzt bewegten

Und wie dem einem blieb die zunge stille stehn

Beym andern seuffzer ließ an statt der worte gehn.

Man sagt: Er hätte sich den abend fest verschworen:

Es solte keiner nicht von liebe seyn befreyt;

Dem krocher in den mund durch küß und süßigkeit

Ein andrer fieng ihn auff mit auffgespitzten ohren;

Dem kam er in den fuß und jenem in die hand

Und vielen ward er auch durchs auge nur bekandt.

So ward das strenge feur der liebe nun gebohren

Und machte daß mein hertz auch stille flammen fing;

Doch als man wiederum nun von einander gieng

Schien es als hätte sich Cupido gar verlohren

Cupido welcher doch beym scheiden gerne bleibt

Und sonderlich zuletzt noch seine possen treibt.

So bald ich aber drauff nach hause wieder kommen

Da fühlt ich allererst wie wider die natur

Mir ein erhitztes feur durch alle glieder fuhr

Und daß ich unvermerckt den vogel mitgenommen.

Hier klagt ich doch zu spät daß freude sonder pein

So wenig als ein stern kan ohne flecken seyn.

Nun fürcht ich Phillis sehr er möchte beym studieren

(man weiß doch allzuwohl was dieser bube kan )

Bald meinen federkiel von der gelehrten bahn

Bald wie ein kind gewohnt die bücher mir entführen.

Und dieses dürffte leicht nebst andern ursach seyn

Daß ich ihm stündlich nur mit ruthen müste dräuen.

Drum muß ich endlich wohl ein ander mittel fassen:

Denn Musen schicken sich zu keiner liebes-pein.

Was aber ist hier rath? bey dir nahm ich ihn ein

Bey dir will ich ihn auch nun wieder sitzen lassen

Ich habe nichts wie du das ihn vergnügen kan

Denn göttern stehen doch nur schöne lager an.