An die Prinzessinn HeinrichFußnoten
Written 1762-01-01 - 1762-01-01
Grün wie der Frühling war Dein Kleid;
Weiß, wie der Schnee zur Winterzeit,
Die Stirne, die voll Lieblichkeit
Herab zu allem Volke redte.
Die Grazien sahn neidisch nach,
Der Dichtergott Apollo sprach:
Wer sich in Dich verkleidet hätte.
Diana, sprach er, stieg herab,
Und weil der Wald ihr keine Freuden
Für ihre Götterseele gab,
Gefiel es ihr sich menschlich einzukleiden;
Prinzessinn! also sprach Apoll
Zu seinem Sohn den Kriegesdichter:
Indem erblicktest Du hoch auf dem Dohm zween Lichter,
Und forschtest nach, warum? Der Dichter sprach: es soll
Vor Alters sich verirrt ein frommer Bischof haben,
Der ordnete alsdann vor künftige Gefahr
Die Lichter an, die nun fünf hundert volle Jahr
Dem Wandrer in der Nacht getreu bezeichnet haben
Die rechte Straße nach der Stadt.
Du lächeltest und sprachst:
„Der gute Bischof hat
Das beste Werk gethan, weil vor fünf hundert Jahren
Die Menschen, wie die Zeit, so ganz verfinstert waren.“
Welch seiner Witz sprach dazumal
Im Engelten aus Deinem Munde.
Und stolzer als mein Freund bin ich auf eine Stunde,
In der mich Deiner Reime Wahl
Aufmunterte an Deiner Seite.
So glücklich war die Griechinn nicht,
Die Sapho hieß, sie sang vor keinem Angesicht,
Das Deiner Hoheit Strahlen um sich streute.