An die strenge Lesbia.

By Johann Georg Gressel

Galante Lesbia du tödtest mir mein Leben

Wenn deine harte Brust sich noch nicht will ergeben;

Mich quählet deine Pracht dein Hart-seyn foltert mich

Ich bin lebendig todt und seuffze ängstiglich.

Allein umsonst! umsonst sind meine Jammer-Zeichen

Dein Hertz das steinern ist ist gar nicht zu erweichen

Du bleibest allezeit bey meinen Klagen hart

Ob schon das Seuffzen sich mit meinen Thränen paart.

Ein Diamant zerspringt im schlechten Bockes-Blute

Mir aber kommt mein Blut und Weinen nicht zu gute

Ein harter Stein wird weich das Eisen zäh gemacht

Nur du mein Kind wirst nie auf andern Sinn gebracht.

Sonst pflegt man nach der Nacht und ihren Finsternissen

Den frohen Morgen-Stern im hellen Licht zu küssen

Nach langen Fasten bricht das Oster-Fest herein

Du aber wilt mir Nacht und ewigs Fasten seyn.

Ich soll das Jubel-Jahr auf deiner Brust nicht halten

Mein heisses Seuffzen muß in kühler Lufft erkalten.

Da stets die Marter-Woch’ in meiner Seelen ist

So klag’ ich daß mein Mund noch keinen Ablaß küßt.

Ich schiffe um den Port wo Freud’ und Anmuth wohnet

Allein vor jene Lust werd’ ich mit Angst belohnet

Indem das Vor-Gebürg so nach der Hoffnung heißt

Sich wenn ich landen will von meinem Schifflein reißt.

So muß ich gleiche Quaal wie

Ich sehe meine Lust und darf es doch nicht wagen

Daß ich sie kosten will weil du sonst wirst erhitzt

Und Donner stössest aus dabey mein Himmel blitzt.

Jxion ist mir gleich ich dulde seine Schmertzen

Wenn ich dich küssen will so muß ich Wolcken hertzen

Umarmen einen Dunst und einen falschen Schein

Denn du wilt auch so gar im Küssen grausam seyn.

So quählest du mein Hertz mit

Und doch kan stets dein Mund von grosser Güte sagen

Von deines Hertzens-Brand von deiner Treu und Huld

Da doch mein Leben stirbt vor grosser Ungedult.

Ach harte Güt’ ach! ach! feindseeliges Erbarmen

Wie quählet doch dein Stoltz mich halb-erstorbnen Armen!

Bald lebe ich in Lust wenn mich ein Blick vergnügt

Bald aber stirbt der Geist wenn mich der Schein betriegt.

Tyrannin meiner Brust du Mörderinn des Lebens

Hofft dann mein matter Geist auf Gnade gantz vergebens?

Muß eine frische Quaal der alten dienstbahr seyn

Und nimmt ein neuer Schmertz des vorgen Stelle ein?

Heißt dieses Gütigkeit wenn man muß Hülff-loß sterben?

An statt der Gnade läst du Seel und Hertz verderben;

Der Kummer zehret ab den halb-erstorbnen Geist

Und diese Quaal dein Mund Güt’ und Erbarmen heift.

Allein die Marter ist bey weiten keine Gnade

Noch jenes Linderung wenn ich in Kummer-Baade

Tyrannen Gnade pflegt ein schneller Todt zu seyn

Nicht der den man erlangt nach ausgestandner Pein.

So höre doch nun auf mich

Fang an im Augenblick die Geister zu entseelen

Reiß ein den Hoffnungs Bau wenn mir kein Hoffen nützt

Und stoß die Stütze weg die mich noch unterstützt

Wirff doch die Decke ab der gantz verstellten Minen

Und zeige ob mir soll ein Lebens Oehl-Blatt grünen?

Ob mir die Gnaden-Wahl dein Paradies verspricht

Und ob im Gegen-Theil dein Zorn das Leben bricht?