An die strenge Lesbia.
Galante Lesbia du tödtest mir mein Leben
Wenn deine harte Brust sich noch nicht will ergeben;
Mich quählet deine Pracht dein Hart-seyn foltert mich
Ich bin lebendig todt und seuffze ängstiglich.
Allein umsonst! umsonst sind meine Jammer-Zeichen
Dein Hertz das steinern ist ist gar nicht zu erweichen
Du bleibest allezeit bey meinen Klagen hart
Ob schon das Seuffzen sich mit meinen Thränen paart.
Ein Diamant zerspringt im schlechten Bockes-Blute
Mir aber kommt mein Blut und Weinen nicht zu gute
Ein harter Stein wird weich das Eisen zäh gemacht
Nur du mein Kind wirst nie auf andern Sinn gebracht.
Sonst pflegt man nach der Nacht und ihren Finsternissen
Den frohen Morgen-Stern im hellen Licht zu küssen
Nach langen Fasten bricht das Oster-Fest herein
Du aber wilt mir Nacht und ewigs Fasten seyn.
Ich soll das Jubel-Jahr auf deiner Brust nicht halten
Mein heisses Seuffzen muß in kühler Lufft erkalten.
Da stets die Marter-Woch’ in meiner Seelen ist
So klag’ ich daß mein Mund noch keinen Ablaß küßt.
Ich schiffe um den Port wo Freud’ und Anmuth wohnet
Allein vor jene Lust werd’ ich mit Angst belohnet
Indem das Vor-Gebürg so nach der Hoffnung heißt
Sich wenn ich landen will von meinem Schifflein reißt.
So muß ich gleiche Quaal wie
Ich sehe meine Lust und darf es doch nicht wagen
Daß ich sie kosten will weil du sonst wirst erhitzt
Und Donner stössest aus dabey mein Himmel blitzt.
Jxion ist mir gleich ich dulde seine Schmertzen
Wenn ich dich küssen will so muß ich Wolcken hertzen
Umarmen einen Dunst und einen falschen Schein
Denn du wilt auch so gar im Küssen grausam seyn.
So quählest du mein Hertz mit
Und doch kan stets dein Mund von grosser Güte sagen
Von deines Hertzens-Brand von deiner Treu und Huld
Da doch mein Leben stirbt vor grosser Ungedult.
Ach harte Güt’ ach! ach! feindseeliges Erbarmen
Wie quählet doch dein Stoltz mich halb-erstorbnen Armen!
Bald lebe ich in Lust wenn mich ein Blick vergnügt
Bald aber stirbt der Geist wenn mich der Schein betriegt.
Tyrannin meiner Brust du Mörderinn des Lebens
Hofft dann mein matter Geist auf Gnade gantz vergebens?
Muß eine frische Quaal der alten dienstbahr seyn
Und nimmt ein neuer Schmertz des vorgen Stelle ein?
Heißt dieses Gütigkeit wenn man muß Hülff-loß sterben?
An statt der Gnade läst du Seel und Hertz verderben;
Der Kummer zehret ab den halb-erstorbnen Geist
Und diese Quaal dein Mund Güt’ und Erbarmen heift.
Allein die Marter ist bey weiten keine Gnade
Noch jenes Linderung wenn ich in Kummer-Baade
Tyrannen Gnade pflegt ein schneller Todt zu seyn
Nicht der den man erlangt nach ausgestandner Pein.
So höre doch nun auf mich
Fang an im Augenblick die Geister zu entseelen
Reiß ein den Hoffnungs Bau wenn mir kein Hoffen nützt
Und stoß die Stütze weg die mich noch unterstützt
Wirff doch die Decke ab der gantz verstellten Minen
Und zeige ob mir soll ein Lebens Oehl-Blatt grünen?
Ob mir die Gnaden-Wahl dein Paradies verspricht
Und ob im Gegen-Theil dein Zorn das Leben bricht?