An die versagte Liebste.

By Heinrich Mühlpfort

Darff ich nicht meine Freyheit haben

In der zuvor mein Geist geprangt?

Ist denn der freye Muth begraben?

Hat meine Lieb ihr End erlangt;

Daß sie muß in des Kerckers Nacht

Verlieren Zierde Glantz und Pracht.

Gefangne hoffen frey zu werden;

Ich weiß von keiner Rettung nicht.

Es lebt kein Mensch auf dieser Erden

Dem es so sehr an Trost gebricht.

Die Liebe die mich erst ergetzt

Hat nun ihr Schwerdt auf mich gewetzt.

Jetz muß ich schwere Kettentragen

Da ich zuvor in Kronen gieng.

Was ist noch übrig als verzagen;

Das Leben schätz ich selbst gering

Und wünsche noch viel Noth und Pein

Des Grabes lieber Gast zu seyn.

Ist mir versagt in deinen Armen

Mein allerschönstes Kind zu ruhn?

So wirst du dich doch noch erbarmen

Mir diesen letzten Dienst zu thun

Daß du nimmst meinen Schatten an

Der sonsten nirgends ruhen kan.

Gedencke was ich schon erlitten

Weil Himmel Glück und Zeit mein Feind:

Wie ich umb deine Gunst gestritten

Die mir nunmehr nicht hold erscheint.

Du kanst und sollst nicht meine seyn

Wie bitter geht mir dieses ein.

Und weil ich dich nicht soll besitzen

So such ich meinen eignen Tod

Der wird mein gutes Recht beschützen

Wie du mich hast gebracht in Noth.

Ich hasse nun das Tage-Licht

Dieweil ich dich darff sehen nicht.