An die zornige Almire.
Muß denn ein heisser Zorn eur Antlitz überziehen?
Wenn man der Sonnen-Licht nach
weist
Sie muß
Eur schwartzes Augen-Paar zweyfache Strahlen scheust.
Vor diesen Augen muß ihr güldnes Licht erbleichen
Zwey Sonnen können mehr als eine kräfftig seyn
Sie will gantz gern vor euch die hohen Seegel streichen
Sie ziehet ihren Glantz bey euren Flammen ein.
Dort hieß ein
Der Himmel sah es an und zürnte nicht darob
Ich heiß sie nur hinweg nach
Doch zürnt ihr über mich; ihr eyfert auf eur Lob.
Allein es bleibet doch der Preiß den schönen Augen
Die Sonne heisset das was ich gesaget recht
Sie spricht: Mein Blitzen kan bey ihrem Strahl nicht taugen
Bey zweenen Sonnen scheint mein Glantz nur allzuschlecht.
Was nützet nun eur Zorn annehmliche
Was hab ich denn geredt das straffens-würdig ist?
Der edle Tugend-Trieb den ich in euch verspühre
Macht euch ohn meine Schuld und ohne Fug entrüst.
Er zieret euren Geist er machet euch vollkommen
Er wil des Himmels-Pracht gar nicht gemindert sehn
Er spricht: Der Sonnen wird ihr Schein so nicht benommen
Das Auge muß vor ihr nicht sie zu Gnaden gehn.
Allein dis machet nicht der Augen - Pracht geringer
Die Demuht beugt das Recht der holden Augen nicht:
Sie bleiben voller Feur und Flammen-reiche Dinger
Wie sehr hier auch der Trieb der Tugend widerspricht.
Kan man bey Sonnen-Schein der Kertzen Brand nicht sehen
Macht dieses Licht der Welt die schlechten Flammen blind?
So kan die Sonn’ auch nicht den Augen widerstehen
Der schöne doppel Glantz den größten Beyfall findt.
Die Sonn gesteht es selbst daß ich die Warheit rede
Sie müht sich euren Pracht noch ferner zu erhöhn
Eur Zürnen schreckt mich nicht! stellt euch nicht allzublöde
Eur Weigern machet euch noch tausend mahl so schön.
Bescheidenheit und Zucht die holde Schönheit küsset
Kein Hochmuht wird an euch
Und dieses macht daß ihr den Lob-Spruch gerne misset
Der euch vor aller Welt mit allen Recht gebührt.
Erweget nun bey euch vortreffliche
Ob eur Erzürnen recht und zu beschönen sey?
Beweist mir ob ich euch durch Schmeichelung verführe?
Die Warheit stimmet mir in meinen Reden bey.
Legt doch das Zürnen ab! und gönnet mir das Rühmen!
Die Warheit redet hier die nicht zu tadeln ist
Einander suche die mit Loben zu beblümen
Die den geschmückten Weg der Laster auserkießt.
Eur Wesen ist
Die Augen lassen sich wie holde Sonnen sehn
Wer wil den schönen Schmuck der euch beziert ausbreiten?
Wer nennet nicht die Pracht der schönen Glieder schön?
Die
Auf den erhabnen Platz des Angesichts gestellt
Die Schönheit muß daselbst als eine Sclavin dienen
Helenens Ruhm vor euch wie schlechtes Glas zerfällt.
Die holden
Die legen sich beschämt zu euren Füssen hin
Jhr könnt das schöne Bild aus Griechenland beschimpffen
Das sich aus Hochmuht macht zu einer Pracht-Göttin.
Apelles fand bey ihr recht ungemeine Strahlen
Es fiel ihm allzuschwehr der schönen Augen-Schein
Drauf ließ sie sich die Sonn zu ihren Füssen mahlen
Und diese Schrifft:
Seyd ihr nun nicht so schön die Demuht ist doch grösser
Es prange Griechenland mit
Bescheidenheit macht euch und eure Schönheit besser
Sie setzt euch in die Zahl der holden