An die zornige Almire.

By Johann Georg Gressel

Muß denn ein heisser Zorn eur Antlitz überziehen?

Wenn man der Sonnen-Licht nach

weist

Sie muß

Eur schwartzes Augen-Paar zweyfache Strahlen scheust.

Vor diesen Augen muß ihr güldnes Licht erbleichen

Zwey Sonnen können mehr als eine kräfftig seyn

Sie will gantz gern vor euch die hohen Seegel streichen

Sie ziehet ihren Glantz bey euren Flammen ein.

Dort hieß ein

Der Himmel sah es an und zürnte nicht darob

Ich heiß sie nur hinweg nach

Doch zürnt ihr über mich; ihr eyfert auf eur Lob.

Allein es bleibet doch der Preiß den schönen Augen

Die Sonne heisset das was ich gesaget recht

Sie spricht: Mein Blitzen kan bey ihrem Strahl nicht taugen

Bey zweenen Sonnen scheint mein Glantz nur allzuschlecht.

Was nützet nun eur Zorn annehmliche

Was hab ich denn geredt das straffens-würdig ist?

Der edle Tugend-Trieb den ich in euch verspühre

Macht euch ohn meine Schuld und ohne Fug entrüst.

Er zieret euren Geist er machet euch vollkommen

Er wil des Himmels-Pracht gar nicht gemindert sehn

Er spricht: Der Sonnen wird ihr Schein so nicht benommen

Das Auge muß vor ihr nicht sie zu Gnaden gehn.

Allein dis machet nicht der Augen - Pracht geringer

Die Demuht beugt das Recht der holden Augen nicht:

Sie bleiben voller Feur und Flammen-reiche Dinger

Wie sehr hier auch der Trieb der Tugend widerspricht.

Kan man bey Sonnen-Schein der Kertzen Brand nicht sehen

Macht dieses Licht der Welt die schlechten Flammen blind?

So kan die Sonn’ auch nicht den Augen widerstehen

Der schöne doppel Glantz den größten Beyfall findt.

Die Sonn gesteht es selbst daß ich die Warheit rede

Sie müht sich euren Pracht noch ferner zu erhöhn

Eur Zürnen schreckt mich nicht! stellt euch nicht allzublöde

Eur Weigern machet euch noch tausend mahl so schön.

Bescheidenheit und Zucht die holde Schönheit küsset

Kein Hochmuht wird an euch

Und dieses macht daß ihr den Lob-Spruch gerne misset

Der euch vor aller Welt mit allen Recht gebührt.

Erweget nun bey euch vortreffliche

Ob eur Erzürnen recht und zu beschönen sey?

Beweist mir ob ich euch durch Schmeichelung verführe?

Die Warheit stimmet mir in meinen Reden bey.

Legt doch das Zürnen ab! und gönnet mir das Rühmen!

Die Warheit redet hier die nicht zu tadeln ist

Einander suche die mit Loben zu beblümen

Die den geschmückten Weg der Laster auserkießt.

Eur Wesen ist

Die Augen lassen sich wie holde Sonnen sehn

Wer wil den schönen Schmuck der euch beziert ausbreiten?

Wer nennet nicht die Pracht der schönen Glieder schön?

Die

Auf den erhabnen Platz des Angesichts gestellt

Die Schönheit muß daselbst als eine Sclavin dienen

Helenens Ruhm vor euch wie schlechtes Glas zerfällt.

Die holden

Die legen sich beschämt zu euren Füssen hin

Jhr könnt das schöne Bild aus Griechenland beschimpffen

Das sich aus Hochmuht macht zu einer Pracht-Göttin.

Apelles fand bey ihr recht ungemeine Strahlen

Es fiel ihm allzuschwehr der schönen Augen-Schein

Drauf ließ sie sich die Sonn zu ihren Füssen mahlen

Und diese Schrifft:

Seyd ihr nun nicht so schön die Demuht ist doch grösser

Es prange Griechenland mit

Bescheidenheit macht euch und eure Schönheit besser

Sie setzt euch in die Zahl der holden