An Dieselben. ( Zehn Jahre später gedichtet .)
Verkläre deinen Schleyer,
O herbstliche Natur!
Erschein' in deiner Feyer,
O meine Lieblingsflur!
Entwölket euch, ihr Felder,
So freundlich, lieb und hold!
Erglänzt, erglänzt, ihr Wälder,
Im Abendsonnengold.
Ihr ewiggrünen Matten,
Ihr sanfgewölbten Höh'n,
Ihr düstern Tannenschatten,
Ihr spiegelklaren See'n,
Ihr kalmusreichen Wiesen,
Ihr Hayden, braun und wüst,
O seyd, seyd mir gepriesen,
Seyd herzlich mir gegrüsst!
Ich seh', ich seh' euch wieder;
Und wie ich euch verliess,
So find' ich ganz euch wieder,
So freundlich, lieb und süss.
Ihr dämmert noch so schaurig,
Ihr jubelt noch so laut,
Ihr lispelt noch so traurig,
Und schattet noch so traut!
Ihr seht, ihr seht mich wieder;
Und wie ihr sonst mich saht,
So seht ihr ganz mich wieder
An Art und Kraft und That.
Mein Herz ist noch so offen,
So schwärmend und so wild,
Mein Sehnen und mein Hoffen
Noch immer unerfüllt.
Ihr friedenvollen Felder,
Ihr thauberauschten Au'n,
Ihr feyerlichen Wälder,
Durchweht von heilgem Graun,
Umweht, umweht den Müden
Mit eurer tiefen Ruh,
Und lispelt euren Frieden
Dem heissen Schwärmer zu.
Auf euren braunen Hayden,
Im Busch, im Bruch, am Bach
Verschwärmen und vergeuden
Den langen Sommertag;
Beschirmt von euren Bäumen,
Gestreckt auf duftend Moos,
Die laue Nacht verträumen —
O neideswerthes Loos!
O, nehmt in eure Wonne
Den müden Waller auf!
Es endet schon die Sonne
Den hohen Heldenlauf.
Der braune Abend schleyert
Den Forst, die Flur, die Fluth.
Die matte Schöpfung feyert,
Und alles Leben ruht.