An Dorinden.

By Johann Georg Gressel

Dorinde lebst du noch und denckst du noch an mich?

Ich hoffe deine Lieb und Treu wird nicht erkalten

Ob mich das Schicksahl gleich drey Wochen wunderlich

Von deinem Umgang hat verdrießlich abgehalten.

Die Sonne zündet auch von fernen Häuser an:

Ein Basiliske kan durch blosses Sehn vergifften

Drum ists kein Wunder daß das Feuer brennen kan

So du abwesend kanst in meiner Seelen stifften.

So bald dein Saamen-Licht mich einmahl angeblitzt

So wurde Seel und Leib in voller Flamm entzündet

Dein süsses Gifft zugleich im Marck und Bein gesprützt

Daß in mir Lebenden das Leben fast verschwindet.

Wilt du nun nicht mein Artzt und mein Erretter seyn;

Werd ich voll Flamm und Gifft vor deinen Augen sterben

Weil der in den sich schenckt der Augen-Strahl hinein

Wenn du nicht löschen wilt vor Gluhten muß verderben.

Dorinde, wenn du nun noch Gnade vor mir hast

So sage ob ich darf noch heute zu dir kommen

Weil meine Seele sich nicht eh zu frieden faßt

Bis deine Gottheit ihr hat ihre Traur benommen.