An Dulcinden.
Dieweil mein Auge nicht die Strahlen an-kan schauen
Die deiner Augen-Sonn mit starcken Flammen scheußt
So muß ich meine Quaal der Feder anvertrauen
Daß sie in weiß und schwartz die schuldge Ehr-furcht weißt.
Was aber soll Papier der Gluht sich widersetzen?
Vor der gewölbt Crystall nicht einst bestehen kan
Wird nicht dein strenger Blitz es mit Gewalt verletzen
Eh deine schöne Hand das Siegel auffgethan?
Wann aber schönstes Kind das blitzen sich geleget
So glaub daß Ehr und Furcht die keusche Brunst erhält
Daß keine Geilheit wird in meiner Brust geheget
Und daß kein Fall-Brett ist dem
Das eh den Tod begehrt eh es sein Fell betrübet
In den verschantzten Koth’ so rein nun dessen Haut
So keusch ist mein Gemüht dem Redlichkeit beliebet
Nicht grosse Schmeichelung von Zucker auffgebaut
Worunter Kröten-Gifft der falschen Geilheit stecket
So bittre Wermuth zeugt und Bastlisken nehrt
Mit süssen Uberzug der glatten Wort’ bedecket
Das den so leichtlich traut aufs äuserste verzehrt.
Hier aber scheinet nichts als nur der Warheit-Schimmer
Der keine Lügen liebt dem Falschheit unbewust
Der in Gedancken nie betrübt ein Frauen-Zimmer
In dessen Seele nicht die ungerechte Lust.
Je ihren Sitz gehabt noch Wohnung auffgeschlagen
Hier zeigt ein reiner Brief die längst verborgne Glut
So dein Gesicht erregt: Ach! könnt’ ich sie vertragen
Es solte dir mein Brief noch nicht mein letztes Guht
Zu deinen Füssen streun. Jtzt aber da mein Leben
Fast mit dem Tode ringt so will ich dir mein Hertz
Und deiner Schönheit-Zier zum Opffer übergeben.
Will nun
So lasse deine Hand mir wenig Zeilen lesen
Doch mache daß dein Knecht nicht Brief und Leben bricht
Ach straffe nicht zu hart wenn ich zu frech gewesen
Gedenck wer murrisch schweigt der haßt und liebet nicht.