An Dulcinden.

By Johann Georg Gressel

Dieweil mein Auge nicht die Strahlen an-kan schauen

Die deiner Augen-Sonn mit starcken Flammen scheußt

So muß ich meine Quaal der Feder anvertrauen

Daß sie in weiß und schwartz die schuldge Ehr-furcht weißt.

Was aber soll Papier der Gluht sich widersetzen?

Vor der gewölbt Crystall nicht einst bestehen kan

Wird nicht dein strenger Blitz es mit Gewalt verletzen

Eh deine schöne Hand das Siegel auffgethan?

Wann aber schönstes Kind das blitzen sich geleget

So glaub daß Ehr und Furcht die keusche Brunst erhält

Daß keine Geilheit wird in meiner Brust geheget

Und daß kein Fall-Brett ist dem

Das eh den Tod begehrt eh es sein Fell betrübet

In den verschantzten Koth’ so rein nun dessen Haut

So keusch ist mein Gemüht dem Redlichkeit beliebet

Nicht grosse Schmeichelung von Zucker auffgebaut

Worunter Kröten-Gifft der falschen Geilheit stecket

So bittre Wermuth zeugt und Bastlisken nehrt

Mit süssen Uberzug der glatten Wort’ bedecket

Das den so leichtlich traut aufs äuserste verzehrt.

Hier aber scheinet nichts als nur der Warheit-Schimmer

Der keine Lügen liebt dem Falschheit unbewust

Der in Gedancken nie betrübt ein Frauen-Zimmer

In dessen Seele nicht die ungerechte Lust.

Je ihren Sitz gehabt noch Wohnung auffgeschlagen

Hier zeigt ein reiner Brief die längst verborgne Glut

So dein Gesicht erregt: Ach! könnt’ ich sie vertragen

Es solte dir mein Brief noch nicht mein letztes Guht

Zu deinen Füssen streun. Jtzt aber da mein Leben

Fast mit dem Tode ringt so will ich dir mein Hertz

Und deiner Schönheit-Zier zum Opffer übergeben.

Will nun

So lasse deine Hand mir wenig Zeilen lesen

Doch mache daß dein Knecht nicht Brief und Leben bricht

Ach straffe nicht zu hart wenn ich zu frech gewesen

Gedenck wer murrisch schweigt der haßt und liebet nicht.