An eine hohen Standes Jungfraw

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Ein wolgestalter Leib ist billich zuerheben

Noch billicher wenn Er von Edlem Blut herrührt

Vnd ein geschickte Seel in selbten einlosirt

Welch einig sich bemüht der Weißheit nach zu streben

Der Weißheit so vns lehrt der Richtschnur gleiche Leben

Die Frömigkeit außsteckt so mag ein solche Zierd

Durch keine Menschen Zung recht werden außgeführt:

Ist denn Auffrichtigkeit Ihmb noch darzu gegeben

Vnd Demut die man kaum bey hohen Leuten find;

Vnd Freundligkeit die fast bey Reich vnd Arm verschwind;

So mag die schöne Welt wol solche Schönheit nennen

Das schönste Wunderwerck wer diß zu schawn begehrt

Wird seines Wuntsches seyn zum vberfluß gewehrt

Wofern Er Euch nur kan O Schönste recht erkennen.