An eine Rose

By Heinrich Wilhelm von Gerstenberg

Written 1780-01-01 - 1780-01-01

Du kleine Rose, glaube mir,

Du sollst Lucindens Busen schmücken.

Ich selber will dich ihr

Itzt auf den vollen Busen drücken.

Dann sag ich: „Mädchen, küsse mich,

Sieh, die hat Flora dir geweihet.

Sieh, wie die Rose sich

Schon über ihre Stelle freuet.“

Doch untersteht ein Jüngling sich

Dich von dem Busen abzubrechen:

Dann, Rose, räche mich,

Dann mußt du ihn gewaltsam stechen.

Doch wenn in meines Mädchens Brust

Nach mir sich zarte Wünsche regen –

O die geliebte Brust!

Dann hauch ihr süßern Duft entgegen.