An eine strenge Schöne.
Allzu strenge Grausahmkeit
Muß die krancke Seele leiden;
Sie vergeht in ihrer Pein
Wasser kan den Fels durchbohren
Aber ach! ich bin verlohren
Deine Brust ist mehr als Stein.
Allzu strenge Grausahmkeit
Muß die matte Seele leiden.
Du bist zwar schön
Und lieblich anzusehn;
Deiner Augen Wunder-Pracht
Hat meinen Geist verliebt gemacht;
Auf den Wangen blühen Rosen
Die Wollust da wie Thau zerfließt.
Silber weisse Perlen kröhnen
Das zarte Kinn.
Die Anmuth küßt
Die glatten Wangen
So mit den reinsten Liljen prangen
Und Milch und Schnee verhöhnen.
Der Busen fährt dahin
Als wie ein weisses Meer
Die Hertzen wünschen sehr
Denselben liebzukosen.
So bist du schön
Und lieblich anzusehn
Doch deine Grausamkeit
Der du dich gantz geweiht
Macht mehr ein Tyger-Thier
Als wie ein Wunder-Bild aus dir.
Schöne Augen zwingt die Blicke
Daß sie nicht so strenge seyn
Kehrt den Blitz in eine Sonne
Hült die dunckeln Strahlen ein.
So erblick’ ich meine Wonne
Mit erwünschetem Gelücke.
Schöne Augen zwingt die Blicke
Daß sie nicht so strenge seyn.
Was nützt dir meine Quaal?
Was bringet dir mein Leiden?
Nichts! spricht dein Mund
Und gibt dadurch sein Unrecht kund.
Sey nicht mehr Stein und Stahl
Liebe den der dich verehret
Und so reine Flammen nehret
Daß er sich dadurch verzehret.
Du must doch endlich lieben!
Darum so fange an
Den Wechsel auszuüben.
Wenn Zeit und Jahre
Den Leib zur Bahre
Und ins Grab bescheiden
Alsdenn so ists mit aller Lieb und Gunst gethan.
Oder meynest du vielleicht
Nicht zu rächen trachten?
Wenn dem also? so bist du übel dran.
Stoltze Sinnen
Müssen gleich dem Wachs zerrinnen
So der Sonnen nahe steht;
Es kan
Alsbald ein kaltes Hertz entzünden
Wann wird das Zunder glim̃end finden
Wann er durch die Seele geht.