An eine strenge Schöne.

By Johann Georg Gressel

Allzu strenge Grausahmkeit

Muß die krancke Seele leiden;

Sie vergeht in ihrer Pein

Wasser kan den Fels durchbohren

Aber ach! ich bin verlohren

Deine Brust ist mehr als Stein.

Allzu strenge Grausahmkeit

Muß die matte Seele leiden.

Du bist zwar schön

Und lieblich anzusehn;

Deiner Augen Wunder-Pracht

Hat meinen Geist verliebt gemacht;

Auf den Wangen blühen Rosen

Die Wollust da wie Thau zerfließt.

Silber weisse Perlen kröhnen

Das zarte Kinn.

Die Anmuth küßt

Die glatten Wangen

So mit den reinsten Liljen prangen

Und Milch und Schnee verhöhnen.

Der Busen fährt dahin

Als wie ein weisses Meer

Die Hertzen wünschen sehr

Denselben liebzukosen.

So bist du schön

Und lieblich anzusehn

Doch deine Grausamkeit

Der du dich gantz geweiht

Macht mehr ein Tyger-Thier

Als wie ein Wunder-Bild aus dir.

Schöne Augen zwingt die Blicke

Daß sie nicht so strenge seyn

Kehrt den Blitz in eine Sonne

Hült die dunckeln Strahlen ein.

So erblick’ ich meine Wonne

Mit erwünschetem Gelücke.

Schöne Augen zwingt die Blicke

Daß sie nicht so strenge seyn.

Was nützt dir meine Quaal?

Was bringet dir mein Leiden?

Nichts! spricht dein Mund

Und gibt dadurch sein Unrecht kund.

Sey nicht mehr Stein und Stahl

Liebe den der dich verehret

Und so reine Flammen nehret

Daß er sich dadurch verzehret.

Du must doch endlich lieben!

Darum so fange an

Den Wechsel auszuüben.

Wenn Zeit und Jahre

Den Leib zur Bahre

Und ins Grab bescheiden

Alsdenn so ists mit aller Lieb und Gunst gethan.

Oder meynest du vielleicht

Nicht zu rächen trachten?

Wenn dem also? so bist du übel dran.

Stoltze Sinnen

Müssen gleich dem Wachs zerrinnen

So der Sonnen nahe steht;

Es kan

Alsbald ein kaltes Hertz entzünden

Wann wird das Zunder glim̃end finden

Wann er durch die Seele geht.