An einen betrübten Wittwer
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Hoch-Edler wenn dein Schatz den Gang der Welt itzt geht
Und dir doch allezeit vor deinen Augen steht:
So wird die die dich nie als nur im Sterben kräncket
Nicht in die Gruft so wohl als in dein Hertz gesencket.
Ach nur in deine Brust: da ist die Ruhestatt
Des frommen Ehgemahls die dich erfreuet hat;
So viel als Salomo an einer Frau gepriesen
Hat daß es möglich sey dir Gott an Ihr erwiesen.
Fromm und auch angenehm wie Sara Tugendhafft
Wie Rahel deren Fleiß im Hause Nutzen schafft.
Die dir das Glück gewehrt was Xenophon ermessen
Und auch Cardani Wunsch an Kindern nicht vergessen.
So denckest du an sie auch jeden Augenblick
Du gehst mit ihr zur Grufft sie geht mit dir zurück
So ist sie stets um dich und lernet dich erkennen
Daß Treu-vermählte nie der Tod vermag zu trennen.
Wie aber ist sie tod? du siehest sie nicht mehr.
Und dennoch fühlet sie dein zärtlich Hertz zusehr:
Es sind die Augen dir ob der Entfernung trübe
Und deine Brust verbleibt das Grab getreuer Liebe.
Hoch-Edler dein Gemüth kränckt so die Liebe nur.
Doch die Vernunft in dir ergreifft des Himmels Spur
Und bey der Seeligen sich ebenfalls zu sehen
So will sie auch mit ihr zum dritten Himmel gehen.
Dein Glaubens-Auge sieht wie ihre Seele lebt
Wie man nur ihre Quaal sie aber nicht begräbt
Wie wenn in deiner Brust ihr Angedencken lieget
Dich kein so grosser Schmertz bey ihrer Lust besieget.
Wie wenn dein Hertz sie liebt es dieses nicht vergißt
Was ihr in dieser Welt annoch am liebsten ist:
Das ist vor Schmertzen dich nicht selber begraben
Und in den Kindern sie noch allzeit haben.
Du Hochvernünftger Mann du kennest mehr als wir
Wie Gott im Creutze liebt und wie das Kraut allhier
Das man in Mexico den Schmertzen-Wender nennet
Sey Christliche Gedult die man in dir erkennet.
Wir wünschen dieses nur: der Himmel stärcke dich
Und fülle fort dein Hauß mit Seegen mildiglich
Daß wenn in deiner Brust itzt Freud und Lust begraben
Sie auch da wiederum die Auferstehung haben.