An einen guten Freund dem man seine liebste mißgönnete. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mjrtillo leidstu noch von deiner tugend wegen

Geht höll’ und teuffel wider dich

Und will das ungewitter sich

Nicht einst zur stillen ruhe legen?

Speyt die verfluchte neider-schaar

Auff dich noch ihre läster-flammen

Und wirstu täglich nur gewahr

Wie sie dein freyes thun vergifften und verdammen?

Es ist des neides art: er nagt an hohen fachen

Er haßt was er nicht haben kan

Und sieht mit scheelen augen an

Was ihm entweicht aus seinem rachen.

Laß aber ihn nur immer gehn

Laß ihn noch eins so hefftig blasen

Du bleibst wie feste cedern stehn

Ob sturm und nordwind gleich umb deine gipffel rasen.

Kein blitz noch donner kan dein felsen-hertze schwächen

Das nichts aus seinem stande rückt.

Die last die einen strauch zerdrückt

Kan steiffe palmen nicht zerbrechen;

Du hebst nur höher dich empor

Daß haß und neid auch drob erschrecken

Und brichst mit hellerm glantz hervor

Je mehr dich finsterniß und schwartze wolcken decken.

Bellt dann so gut ihr könnt ihr heißer zürnten hunde

Jhr hemmet nicht des monden lauff

Er geht mit schönren strahlen auff

Und spottet eurem läster-munde.

Mirtillo hält die tugend-bahn

Und ist bereits dahin gestiegen

Da er die sonne sehen kan

Und keine fledermauß ihm iemahls nach wird fliegen.

Ja wol du trägst den schatz Mirtillo in den händen

Den dir kein Pluto rauben kan;

Noch um ein kleines ists gethan

So siehstu sich das wetter wenden.

Ach! glaub’ es kan nicht anders gehn;

Wer sich im paradieß will laben

Und neben einem engel stehn

Muß höll und fegefeur erst wohl versuchet haben.