An einen guten Freund dem man seine liebste mißgönnete. C. E.
Mjrtillo leidstu noch von deiner tugend wegen
Geht höll’ und teuffel wider dich
Und will das ungewitter sich
Nicht einst zur stillen ruhe legen?
Speyt die verfluchte neider-schaar
Auff dich noch ihre läster-flammen
Und wirstu täglich nur gewahr
Wie sie dein freyes thun vergifften und verdammen?
Es ist des neides art: er nagt an hohen fachen
Er haßt was er nicht haben kan
Und sieht mit scheelen augen an
Was ihm entweicht aus seinem rachen.
Laß aber ihn nur immer gehn
Laß ihn noch eins so hefftig blasen
Du bleibst wie feste cedern stehn
Ob sturm und nordwind gleich umb deine gipffel rasen.
Kein blitz noch donner kan dein felsen-hertze schwächen
Das nichts aus seinem stande rückt.
Die last die einen strauch zerdrückt
Kan steiffe palmen nicht zerbrechen;
Du hebst nur höher dich empor
Daß haß und neid auch drob erschrecken
Und brichst mit hellerm glantz hervor
Je mehr dich finsterniß und schwartze wolcken decken.
Bellt dann so gut ihr könnt ihr heißer zürnten hunde
Jhr hemmet nicht des monden lauff
Er geht mit schönren strahlen auff
Und spottet eurem läster-munde.
Mirtillo hält die tugend-bahn
Und ist bereits dahin gestiegen
Da er die sonne sehen kan
Und keine fledermauß ihm iemahls nach wird fliegen.
Ja wol du trägst den schatz Mirtillo in den händen
Den dir kein Pluto rauben kan;
Noch um ein kleines ists gethan
So siehstu sich das wetter wenden.
Ach! glaub’ es kan nicht anders gehn;
Wer sich im paradieß will laben
Und neben einem engel stehn
Muß höll und fegefeur erst wohl versuchet haben.