An Fanny.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Warum bleichet Kummerblässe,

Fanny, dein Gesicht?

Warum wölket Thränennässe

Deines Auges Licht?

Um dich lärmen laute Freuden.

Aber tiefverhohlnes Leiden

Nagt an deiner wunden Brust,

Und dir widern Scherz und Lust.

Klagst du ob der Guten, Frommen,

Die der Tod dir nahm?

Klage nicht um sie; entnommen

Ist sie jedem Gram.

Alles Herzeleids entbunden,

Jedem Ungemach entwunden,

Ruht sie in der Schwester Arm,

Härmt sich nur um deinen Harm.

Lass sie schlummern ihren Schlummer

Nach des Tages Last.

Süss behagt nach Müh' und Kummer,

Sanft und süss die Rast.

Wenig waren ihrer Freuden;

Zahllos waren ihre Leiden.

Schwerermattet sank sie hin,

Eine fromme Dulderin —

Warum blicken wir so traurig

In die Nacht hinab?

Warum dünkst du uns so schaurig,

Stilles kühles Grab?

Bist du doch die traute Kammer,

Welche schwichtigt jeden Jammer,

Welche jede Unruh stillt,

Schonend jede Schuld verhüllt.

Warum macht uns dein Erscheinen,

Tod, so angst und bang?

Säumst du doch dem Frommen Reinen,

Retter, nur zu lang!

Heil und Preis dem Abgesandten,

Der den schmachtenden Verbannten

Ruft aus seines

Heim ins süsse Vaterland.

Warum ängstigt uns dein Dunkel,

Ewigkeit, so sehr!

Schönrer Welten Sterngefunkel

Glänzt durch dich daher!

Bürgt der Mond nicht für die Sonne?

Kränzt nicht Wehmuth sich mit Wonne?

Deutet Ahnen nicht auf Schaun,

Nicht auf Geister unser Graun?

Selig, die im Herrn entschliefen!

Selig, Fanny, sie!

Die die Engel dir entriefen,

Schau, sie führten sie

Aus den Nebeln in die Klarheit,

Aus den Träumen in die Wahrheit,

Durch das Zweifeln zum Vertraun,

Durch das Ahnen hin zum Schaun.

Darum trockne deine Thränen!

Heitre deinen Blick!

Nicht dein Jammern, nicht dein Sehnen

Bringt sie dir zurück.

Liebe! hoffe! dulde! glaube!

Und aus Edens schönster Laube

Schaut sie lächelnd deiner Ruh,

Segnend deinen Thaten zu!