An Flavien/ als sie etliche lieder von der welt eitelkeit sang

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Wenn dein rubinen-mund die eitelkeit der erden

Den glantz durch welchen hier so viel betrogen werden

Geliebte Flavia uns vor die augen legt

So weiß ich offtmahls nicht wofür ich dich erkennen

Ob ich dein wesen soll gött- oder menschlich nennen;

So hefftig wird mein geist durch deinen thon bewegt.

Mich dünckt die engel selbst die fahren auff und nieder

Und hören gantz bestürtzt die angenehmen lieder.

Ihr nectar ist was itzt aus deinen lippen fährt.

Ich fürchte gar gewiß sie werden dich entführen

Mit deiner liebligkeit ihr reines chor zu zieren.

Denn deiner weisen ist kein irrdisch ohre werth.