An Flavien

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Will das gelücke denn gantz meine feindin werden?

Stürmt süd ost nord und west?

Bin ich ein gauckel-spiel und leichter ball der erden

Den Venus fallen läst?

Will keine sonne mehr mein schwartzes haupt berühren?

Umhüllt mich nichts als nacht?

Will das verhängniß mih an einer kette führen

So mich verzweiffelt macht?

Orontes weiß fast nicht was ferner sey zu dencken

Zürnt Venus oder du?

Ach gläub es! Flavia mein leiden und dein kräncken

Kommt mir und dir nicht zu;

Was hab ich dir gethan daß du mich nichtt wilst kennen?

Wie heist du meine schuld?

Soll mein verbrechen sich mit rechtem namen nennen?

So rufft es: Lieb und huld

Du läst mein auge nicht zu deinen gräntzen dringen

Mein auge sonder licht

Du deckst den schönen mund mit deines schatten schwingen

Und kennst mich ferner nicht.

Das basiliscken-gifft der rauch von allen drachen

Der fledermäuse blut

Kan meiner Flavie nicht solchen eckel machen

Als des Orontes glut.

Doch hab ich dich erzürnt so will ich treulich büssen

Es schweret hand und geist.

Wie solte nicht mein blut mit reichen strömen fliessen

Wenn du es springen heist.

Solt ich o Flavia! zu deinen füssen sterben

So stürb ich ohne spott;

Denn liebe so nicht kan die gegenlieb erwerben

Ist ärger als der tod.