An Floretten.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Dein augen-plitz preiß-würdigste Florette

Hat auch mein hertz durch stille glut gerührt.

Ich fühle schon die schwere liebes-kette

Die deine pracht um meine glieder führt.

Dein wesen hat gesiegt

Ich aber bin gefangen

Und trage doch verlangen

Nach dem was mich und meine lust bekriegt.

Verzeihe nur du tugend-volle seele

Daß sich mein hertz dir so vor augen stellt

Und daß ich nicht nach meiner art verhöle

Was meine brust sonst gar verborgen hält;

Das leiden ist zugroß

Warum ich mich betrübe:

Drum reiß durch deine liebe

Mir meine last und fässel loß.

Ich weiß es zwar; Du wirst mir widersprechen

Und sagen: Ach! es ist nur schatten-spiel.

Wer sich die welt mit worten läst bestechen

Der fällt wenn er am besten steigen will.

Ach! aber meine pein

Ist anders weit beschaffen

Als mancher liebes-affen

Die voller list und complimente seyn.

Mein liebes-feur besteht nicht in dem munde

Die falschheit ist mein ärgster seelen-feind.

Ich liebe dich aus meines hertzens grunde

Diß ist genug. Bistu nun wieder freund

So solstu eher sehn

Das leben mich verdammen

Als meine liebes-flammen

Vor mattigkeit und ohnmacht untergehn.