An Frau Helena Pettenkofer

By Hermann von Lingg

Written 1862-01-01 - 1862-01-01

Wenn noch ein Zweig in meinem Leben

Noch auf ein Blühen hoffen läßt,

So soll er seine Zierde geben,

Sie zu verweben

Zu dieses Tages Fest.

Wie freundlich war't ihr mir, ihr frohen Stunden!

Ihr wißt es, wo ich Trost und Huld gefunden.

Vergessen lernt' ich manche Schranken,

Vergessen manche Sorgenflut.

Ich fand Asyl für den Gedanken,

Die Seele durfte ranken,

Die Freundschaft gab ihr Mut.

Entrissen dem verhängten Los der Schatten,

Wem dank' ich's? Dir und deinem edlen Gatten!

Beglückt ist, wer es noch empfinden

Und wer es noch bekennen kann,

Daß, wenn uns alle Sterne schwinden,

Wenn uns mit ihrem blinden,

Unselig düstern Bann

Die Nacht umfängt, daß dann noch Menschen leben,

Die rettend uns die Hand mit Wärme geben. –

Seid mir gesegnet! Euch erblühe,

Das ihr mir wiedergabt, das Glück

Erneuter Jugend, spät wie frühe

Ein Lohn der Erdenmühe

Strahl's hell auf euch zurück

Von euren Kindern, die mit Freudekränzen

Wie dort am Himmel Zwillingssterne glänzen!