An GleimFußnoten

By Johann Georg Jacobi

Written 1777-01-01 - 1777-01-01

Du winkest mir vom Helikon,

Von jenen schattenreichen Höhen,

Die deinen Freund Anakreon,

Und dich im ew'gen Lorber sehn?

Du willst, ich soll auf Wegen gehen,

Noch deutschen Sängern nicht bekannt,

Die ungesucht Chapelle fand?

In seinen Hain soll ich mich wagen?

Wo Liebesgötter schalkhaft ihn

Umhüpfen, sich einander jagen,

Ihm mit possierlichem Bemühn

Erfrischend Eis zum Weine tragen,

Und selbst von seinem Weine glühn;

Wo Lauben, welche nie verblühn,

Ein ihm getreues Chor empfingen;

Wo den vertrauten Bachaumont,

Wo ihren Liebling Pavillon,

Die Scherze Hand in Hand umringen,

Und bey der Huldgöttin Bouillon

La Fare noch und Chaulieu singen?

O heil'ger, schauervoller Hain,

Verehrungswerthe, große Namen!

Ich, Freund, ich soll ihr Schüler seyn?

Umsonst wünsch' ich, sie nachzuahmen,

Sie, die von Vorurtheilen frey,

Der einzigen Natur getreu,

Zu Lust und Liedern sich verbanden,

Im Epikur den Weisen fanden,

Und, geitzig auf die schnelle Zeit,

Im Tempel halbe Tage zechten,

Und lachend, ohne Bitterkeit,

Sich an dem Schwarm der Thoren rächten;

Die, durch Geschäfte nie gestört,

In ihrer frohen Muße blieben,

Mehr liebenswürdig, als gelehrt,

Für Mädchen nur und Freunde schrieben;

Und, wenn sie gleich nicht Wochen lang

Bey dem, was ihre Muse sang,

Von künft'gem Ruhme voll, verweilten,

Und jedes Liedchen mühsam feilten,

Doch in der Dichter erstem Rang,

Bey schimmernder Pokale Klang,

Der Ewigkeit entgegen eilten.

Freund, ihrer Lieder Harmonie

Soll immer meinen Geist entzücken,

In trüben Tagen mich beglücken,

Mich Weisheit lehren sollen sie.

Wenn Gresset, statt der Lorberblätter,

Mit Rosen seine Schläfe ziert,

Im Wagen kleiner Liebesgötter

Die Tugend uns entgegen führt,

Und fern von weiten Marmorgängen,

Wo Schmeichler sich mit Thoren drängen,

Den Ton der Hoheit, den Pallast,

Und schwere goldne Ketten haßt:

Dann folg' ich unter seine Linden

Dem Sänger, dort das Glück zu finden,

Das auf dem sichern Rasen thront,

Selbst herrscht, und keinem Fürsten frohnt.

Allein, o Freund! ihm nachzusingen,

Tief in das Heiligthum zu dringen,

Wo Priester mit geweihter Hand

Den Grazien ihr Opfer bringen,

Dieß hat kein Gott mir zuerkannt!

Ich will, von dir allein genannt,

Im Thal des Helikons mich freuen,

Und da geheimen Weihrauch streuen,

Und da der Freundschaft Glück erhöhn.

O! schöner ist kein Glück auf Erden,

Als das, von Gleim geliebt zu werden:

Der Nachruhm selbst ist nicht so schön!