An Herrn D. Wegnern in Franckfurt an der Oder als demselben zwey wohlgerathene s...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein Herr wann durch die last der auffgelegten bürde

Sein hertze thränen-saltz das saltz zu blute würde

So könte dieses wohl ein zeugniß seiner pein

Doch keine schilderey so grosser schmertzen seyn.

Denn wem ist nicht bekandt wie man um freunde trauret?

Wie lange der verlust von einem kinde dauret?

Zwey aber auff einmahl scheint warlich allzuviel

Wenn sie des himmels schluß und sein verborgnes ziel

Aus unsern augen reist: Noch mehr wann ihre gaben

Als wunderwercke sich der welt gewiesen haben

Und sie ein vater schon auff erden so erhöht

Daß ihrer jugend baum in vollen früchten steht.

Doch sein gesetztes hertz das die gedult regieret

Wird durch den donnerschlag des todes zwar gerühret

Nicht aber unterdrückt; denn seine seele denckt

Daß GOtt und himmel offt im giffte zucker schenckt.

Er hat mit saurer müh den einen lehren müssen

Wie auch ein tauber kan der reden deutung wissen.

Den andern hat er gar durch fleiß dahin gebracht

Daß er sich vor der zeit durch sprachen groß gemacht.

Allein der höchste will die lehre selbst vollenden

Drum müssen beyde sich in seine schule wenden:

Er aber giebet sich mit grossen ruhme drein;

Weil hier auff erden doch nur lauter pfuscher seyn.