An Herrn Georg Friedrich Meier

By Samuel Gotthold Lange

Written 1746-01-01 - 1746-01-01

Der Sterbliche, den du der Begeisterung würdigst,

O himmlisches Kind, o Dichtkunst eilet erhaben

Der Sternenban zu, und lernt die Göttliche Tugend

Und Weisheit verstehn.

Sein horchendes Ohr schöpft die geheimesten Lehren

Es fühlet sein Hertz die übermenschlichen Triebe.

Mit englischer Kraft übt und empfindet er Freundschaft.

Die niemand versteht.

Sein gantzes Hertz, voll der Gottheit, eilet den Menschen,

Die göttliche Kunst, durch Freundschaft glücklich zu werden

Zu lehren, wie du, o Meier, der du die Weisheit,

Lehrest und übst.

Es wisse die Welt durch Thirsis Lieder bezaubert

Das Stille und Kleist, Gleim, Germershausen und Sultzer

Freundschaftliche Lust, durch weise Tugend empfinden.

O würdiger Mann.

Dein klopfendes Hertz schlägt auch durch Freundschaft erhitzet

Wie Thirsis Hertz that. Aus gleichen redlichen Trieben,

Aus welchen er sang, färbt dich, durcheilet die Adern,

Dein wallendes Blut.

Es wisse die Welt, daß, weil ich gelebet, kein Weiser,

Kein Tugendfreund war, den nicht die heilige Freundschaft

Mit mir auch vereint, und daß du, Meier, die Anzal,

Mir rühmlich vermehrst.

Mein zärtliches Hertz liest Thirsis Lieder mit Thränen

Und denckt denn an dich, mit einer traurigen Ruhe.

O liß sie, du siehst die Glut der Freundschaft die in mir

Stets gegen dich brennt.