An Herrn Hofrath von Köpcken, zu MagdeburgFußnoten

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

Laß du dem Britten seinen Wahn und Hohn,

Daß er der erstgeborne Sohn

Der Freiheit sey, wir aber Sklaven!

Was kümmert sich der Weis' um Fasees und um Thron?

Für ihn hat kein Gesetz noch Strafen.

So lang des Landes Satzung ihm gefällt,

Ist er der erste, der sie hält;

Was hat er noch zu fürchten? Glücklich leben

Kannst du, ob über dich den Zepter Einer hält,

Ob Hundert dir Gesetze geben.

Doch, kann der Stab der Consuln nicht so schwer,

Als eines wüthenden Tiber

Metallner Zepter, auf dich fallen?

Was ist dir übrig, Freund, als, selbst an Gütern leer,

Zu einem freiern Volk' zu wallen?

Denn, Köpcken, wer nicht Freiheit höher hält,

Als alle Güter dieser Welt,

Ja selbst als dieses gute Pilgerleben:

Der ist ein Sklav, wenn gleich Tartaren ihm ein Zelt

In ihrer freien Horde geben.

Zu edlen Thaten fühlt er nimmer Muth;

Ihm ist sein Leben oder Gut

Der höchste Trieb zum Thun und Unterlassen.

So billigt denn der Sklav das, was ein Nero thut,

Und muß August mit Nero hassen.

Den Pöbel blendet jedes falsche Licht;

Der Freiheit Name hat Gewicht

Für ihn; die Freiheit selbst, für Weise.

Der Schweizer, der so laut zu Hause prahlet, spricht

Mit seinen Consuln, ach! so leise!

Er beugt vor ihnen dreimal tiefer sich,

Als ich vor einem Fürsten mich,

Und was er ist, das muß er ewig bleiben.

Wenn du ein Haller wärst, Bern könnte dennoch dich

Nicht auf der Rathsherrn Rolle schreiben.

Den Prunk mit Sina's Vasen, mit Kristall

Aus Böhmen, und den ganzen Schwall

Von Frankreichs Moden, mag der Staat mir wehren.

Stört das des Weisen Glück: so muß sich überall

Sein Freiheits-Sinn in ihm empören.

Laß auch den Staat der Russen Kaviar,

Und Holsteins Austern, ja sogar

Den edlen Most vom Rhingau selbst, vertheuren;

Der Freundschaft Feste werd' ich dennoch, Freund, ob zwar

Mit etwas kleinern Bechern feiren.

Doch wenn er auf der Bahn der Ehre, Stein

Auf Steine häufte, aus dem Hain'

Der Wahrheit, uns zum Nichtstuhl' zöge,

Und Wahrheit strafte: dann würd' ich der erste seyn,

Der nackt nach Sanct-Marino flöge.