An ihren spiegel.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Du gläntzendes chrystall du redner ohne mund

Rathgeber dessen treu und klugheit sattsam kund

Freund der durch warheit bloß die hertzen ihm verbindet

Du zeuge sonder list und falsche heucheley

Bekenn ob irgend auch was angenehmers sey

Als Dorisettens pracht die mich so starck entzündet?

Ihr auge weiß ich ist dir gar zu wohl bekandt

Sie hat dir manchen blick in dein chrystall gesandt:

Drum ist dir ihre glut auch schwerlich unverholen.

Nicht wundre dich demnach wenn auch mein geist verletzt

Wer kan wenn solcher blitz an unsre hertzen setzt

Bey feur und flammen seyn als ausgelöschte kohlen?

Jedoch ich brenne gern in dieser stillen glut

Ob schon sich in sich selbst verzehrt mein heisses blut

Möcht ihre wehmuth nur mich meiner noth entbinden;

Allein ihr hartes hertz das kein erbarmen trägt

Wird durch mein heisses flehn und seuffzen nicht bewegt

Und läst sich gegen mich ohn alle regung finden.

Ach spiegel straffe du die strenge grausamkeit!

Und räche mich an ihr. Es ist nun einmahl zeit

Ihr hart und kaltes hertz in heisse glut zu setzen.

Wirff ihren glantz zurück der durch die augen blitzt

Und laß dieselbe glut die mich und dich erhitzt

Ihr aug und hertze selbst durch eigne krafft verletzen.