An Lesbis.

By Johann Georg Gressel

Schönstes Kind ich bin entzündet

Deine Schönheit hats gethan

Brennen das die Seel empfindet

Zündt dein schönes Auge an;

So! daß ich bald muß vergehen

Wenn ich nicht kan Hülffe sehen.

Reiche deinen Mund und Lippen

Mir zu einem Labsahl her

Sammt des Busens

Und der Brüste Kühlungs-Meer;

Ist es? daß ich die umfange

Alsdenn bin ich nicht mehr bange.

Deine Brust dem Himmel gleichet

An Vergnügen schönstes Kind

Deiner Stirn der

Den man ohne Flecken findt;

Ja dein angenehmes Wesen

Läst nur lauter Anmuth lesen.

Lesbis deinen schönen Mienen

Und der trefflichen Gestalt

Wünschen Götter selbst zu dienen

Denn wer kämpfft mit der Gewalt

So dein Auge bey sich träget

Wenn es heisse Blitze heget.

Fält nun jeder vor dir nieder

Ach so sey doch nicht so stoltz

Und bedencke bey dir wieder

Daß du nicht von Stein und Holtz

Sondern auch ein Mensch gebohren

Nicht zum Quählen auserkohren.

Grausahms Kind ach laß dich lieben

Ach erkenne meine Brunst!

Venus heist dir dieses üben

Und befiehlt die Gegen-Gunst;

Nun so halte ihr Gesetze

Daß mich deine Gynst ergötze.